Weder über den Rubikon noch über den Jordan: OSTRALE ‘O13

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Übrigens ist die Ostrale 13 letztens zu Ende gegangen.
In diesem Jahr war das Motto »Wir überschreiten den Rubikon« »we cross the rubicon«. Es ging laut Begleitheft um „Ausschau halten, aus der Vergangenheit lernen, neue Strategien entwickeln und gewinnbringende Allianzen schmieden“. Angesichts solcher selbstbezogenen Worte fragte ich mich schon beim Lesen, was das für mich als Kunden bringen soll. Zum Glück las ich weiter und weiter unten stand dann die Mottodeutung für uns zahlende Besucher. Wir sollten im ersten Schritt die inneren Grenzen überschreiten, um uns selbst kennenzulernen. Denn nur dann wären wir fähig, im zweiten Schritt die äußeren Grenzen zu überschreiten und „objektiv fremde Einflüsse, Formen, ja, ganze Kulturen in ihrer Komplexität zu begreifen, ohne sich von Vorurteilen, konditionierten Verhaltensweisen und manchmal hinderlichen Denkmustern beeinflussen zu lassen…“. Punkt.

Wenn ihr jetzt denkt, ihr hättet etwas verpasst: Nein. Ihr habt nichts verpasst.

Noch im letzten Jahr war man schier erschlagen von der Weitläufigkeit der Ausstellung. Damit verbunden war die unausgesprochene Gewissheit, daß man an einem Tag nie würde alles sehen und erfassen können, sollte es kein Parforceritt durch die Räume sein.
Nachdem über den Winter die Pläne der Stadt aufgegangen waren und ein Großteil der Gebäude an Investoren abgegeben wurden, war das wirklich Neue in diesem Jahr die räumliche Beschränkung. Nicht, daß es jetzt eng zugegangen wäre. Aber dieses Mal konnte man die Ausstellung in zwei bis drei Stunden durchschreiten und hatte alles gesehen.
Und das, was man zu sehen bekam, war die übliche Ostralekunst. Ein Potpourri kontemporäri Art, welches ein hervorragendes, niederschwelliges Einstiegsangebot an Menschen war, die gerade anfangen, sich mit moderner Kunst zu beschäftigen.

Das Fazit: Weder überschritt die Ostrale den Rubikon, noch ging sie über den Jordan. Auf ein normales räumliches Maß gestutzt bei gleicher Qualität des Inhalts wurde mir klar, was in den vorangegangenen Jahren so geblendet hat. Es war die riesengroße Verpackung. Es wurde eine normale Kunstausstellung auf das fünffache vergrößert. Und das auch noch in diesen speziellen Gebäuden. Das war der Trick.
Von diesem Jahrgang bleibt eine erfreuliche Übersichtlichkeit und viele, für dieses Ratgeberblog relevante Kunstwerke.

P.S.:
Ich plane eine eigene Artikelreihe mit Kurzbeschreibungen ausgewählter Ostrale-Werke. Diese bekäme dann den Titel »Ostraleerprobt« (oder in IAE: »ostraleapproved«) und würde verschiedene Werke als Beispiele aus der Praxis beschreiben. Werke wie »Applaus/applause« von Via Lewandowsky. Zweifellos ein Werk, das diesem Blog würdig ist. Oder auch die völlig kryptische Installation mit Heizlampe, verschiedenen Materialien, die dieser ausgesetzt wurden, und einer Laube aus Latten und Frischhaltefolie. Immerhin hatte sie eine Tür. Oder das Werk »ante«. Bestehend aus vier Türen eines Küchenhängeschranks, nebeneinanderstehend auf dem Fußboden an die Wand gelehnt. Das wird lehrreich, soviel sei versprochen.

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Kunstaustellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 53

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine alte Bude.
2. Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Besorg dir drei dieser hochglänzenden Gartenkugeln, die es als Außendekoration in jedem Baumarkt zu kaufen gibt, und ein Aquarium passender Größe. Stell sicher, daß die Gartenkugeln abgedichtet sind. Füll das Aquarium mit Wasser. Drück die Kugeln in das Wasser. Ziel ist, daß Auftrieb und Wasserdruck sie in der Mitte des wassergefüllten Aquariums festhalten. Alle drei Kugeln sollen nebeneinander schweben. Alles klar?
4. Nenn das ganze „Ich koons ooch“. (Achtung: Der Titel funktioniert nur in Deutsch!)
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?

Kunstaustellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 52

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine alte Bude.
2. Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Nimm irgendeinen alten Stummfilm und zeige ihn in Endlosschleife. Entweder du zeigst ihn auf einem alten Fernseher oder du projizierst ihn auf die Wand.
Die Darstellung des Röhrenfernsehers kannst du mit einem starken Magneten manipulieren. Auf der Wand kannst du Rahmen und Störlinien selbst anbringen.
Organisier dazu eine Raumintervention, indem du Szenen des Films auf dem Fußboden mit heutigem Spielzeug nachstellst. Wenn es dir sinnvoll erscheint, kannst du einen oder mehreren dieser Spielteppiche für Kinder verwenden.
4. Nenn es in Anlehnung an den Filmtitel irgendwie kryptisch und über „das Werk an sich“ hinausweisend.
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?

Kunst selbstgemacht – Ratschlag 51

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine alte Bude.
2. Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Lass Blumenampeln herabhängen. Diese wiederum lassen alles mögliche aus sich herab baumeln. Drähte, echte Pflanzen, künstliche Pflanzen mit hanfähnlichen Blättern und jointähnlichen Früchten, Gummischlangen, Gürtel usw..
Blumenampeln findest du auf dem Trödelmarkt. Du kannst so etwas Simples auch selbst bauen. Gesprächsfördernd sind Blumenampeln aus Helmen. Da könnte sogar eine weitere Bedeutungsebene eingezogen werden. (Aber zu Kunsterklärzetteln komme ich später.)
4. Nenn es »Grüner Daumen²«.
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?