wirklich ernsthafte Kunstaustellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 55

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine alte Bude.
2. Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Nimm ein einfaches Bild eines Vogels oder eines Hauses vor einem ruhigen Hintergrund. Scanne es ein. Bearbeite es im Bildbearbeitungsprogramm deiner Wahl wie folgt: Erst auf scharz-weiß einstellen, dann nur das Haus (oder den Vogel) einfärben. Das kannst du je nach Lust und Laune und der Leistungsfähigkeit deines Druckers auswalzen. Ich empfehle mindestens fünf Farbgebungen bis maximal das komplette Farbspektrum. Aber niemand schreibt dir vor, daß das Haus (oder der Vogel) einfarbig sein müssen. Die so bearbeiteten Bilder ausdrucken, in uniforme Rahmen stecken und in einer Reihe aufhängen.
4. Nenn das ganze »from here to infinity« und nummeriere die Bilder mit fortlaufenden Ziffern durch. (Sammler zahlen Höchstpreise für einzelne Stücke, wenn sie sich in den Kopf gesetzt haben, eine komplette Serie zwischen den Nummern 10376 und 10521 zu besitzen.)
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?

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Kunstaustellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 54

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine alte Bude.
2. Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Nimm die größte und dickste Kerze, die du finden kannst. Zünd sie an. Lass gleichzeitig einen Fön heiße Luft an ihren Fuß blasen.
Brandschutz beachten!
4. Nenn es irgendwie kryptisch und über „das Werk an sich“ hinausweisend.
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?

PS: Obwohl bestens geeignet, solltest du in den nächsten Monaten auf die Verwendung von Altarkerzen bei diesem Werk verzichten. Außer, du willst explizit ein Stähtment zum derzeitigen Presseaufreger abliefern.

Praxisbeispiele Ostrale C) reine Kunstausstellungskunst

110 Kommentare

ostraleerprobt2

C1) Ein Stop-Motion-Video heißt „Achillesferse“. Eine nackte Frau beklebt sich auf der Schauseite ihres Körpers nach und nach von unten bis oben mit Pflaster. Am Ende, wenn es kein Stück blanke Haut mehr zu sehen gibt, knickt sie im Knöchel ein und fällt zu Boden.
Ratschlag: Dieses Video fällt in dieselbe Rubrik wie die Videos „Worthalten“ (eine Nackte hält die Holzbuchstaben W, O, R und T mit ausgestrecktem Armen solange bis die Muskeln versagen) und „Wunder Punkt“ (ein Nackter drückt sich eine brennende Zigarette auf der Haut aus und zeigt danach die Stelle in die Kamera, während er mit dem Finger drauf drückt). Verfilmte Sprichwörter unter 3 Minuten Laufzeit gehen immer.

C2) Ein Video zeigt abwechselnd eine Frau und einen Mann, die davon reden, wie sie von ihren jeweiligen Partnern verlassen wurden. Handwerklich gut gemacht, blieb mir dennoch unklar, was es in der Ausstellung zu suchen hatte. Vielleicht aus Gendergründen? Oder wegen der daneben stehenden, begehbaren, mit beweglichen Labyrinthwänden ausgestatteten Box namens „Beziehungskiste“? Sei´s drum. Ihr könnt das auch!
Ratschlag: Filmt eine Frau, die davon redet, wie sie ihrem Hund verließ und einen Mann, der davon redet, wie er von seiner Katze verlassen wurde. Es kommt dann auf den Kunsterklärzettel an, wie ihr das verkaufst.

C3) Eine ganze Wand ist mit Bildern von Händen dekoriert. Überwiegend Fotos und überwiegend Computerausdrucke. Alles in verschiedensten Formaten und bunt zusammengewürfelt. Ein Zusammenhang wird durch verschiedene schwarze Zwirnsfäden behauptet, die zwischen den Nägeln, die die Ausdrucke an der Wand halten, gespannt wurden.
Ratschlag: Eine Paraphrase zu Gerhardt Richters „Atlas“ zeugt von Mut. Als Kunstwerk solltet ihr so eine Materialsammlung den Kuratoren nur unterjubeln, wenn diese unbedingt noch eine leere Wand füllen müssen.

C4) Sieben durchsichtige, quadratische Tupperdosen hängen in einer Reihe an der Wand. Jede Dose hängt vor einem anders pastellfarbenen Hintergrund. Jede Dose ist identisch gefüllt. Zwischen farbloser Klarsichtfolie befindet sich ein Arm und ein Bein einer Babypuppe als wären sie in Aspik eingelegt. Auf den Titel des Werkes kann die Künstlerin zu Recht stolz sein: „baby food“! Als ich dann noch im Kunsterklärzettel von Nahrungsmittelknappheit und Menschen als Ressource las, da wusste ich, daß hier jemand ist, der den Film „Soylent Green“ gründlich gesehen hat.
Ratschlag: Nehmt alte bekannte Filme und setzt die Hauptidee auf eure eigene Art um. Wie man sieht, klappt es dann mit der austellung .

C5) Eine wahre Fleißarbeit ist die einen Meter hohe Hochhaussiedlung ong miniatür. Die Häuser haben alle transparente Außenwände aus Crackerschalen. Alle Zimmer sind verschieden eingerichtet und aus Wellpappe gemacht. Personen waren keine zu sehen.
Art Brut heißt immer dann Autsaider Art, wenn der Künstler noch nie in der Klinik gesessen hat. Diese lässt grüßen bei dieser manisch-depressiv wirkenden Bastelarbeit aus Umverpackungen. In den 80er Jahren hätte sie unter dem Titel ›Nach der Neutronenbombe‹ bestimmt einen Friedenspreis auf der „Messe der Meister von Morgen“ erhalten.
Ratschlag: Solch eine Arbeit solltet ihr nur in Angriff nehmen, wenn ihr hauptsächlich in Ruhe rumbosseln wollt. Es muss unbedingt von vornherein die Transportfähigkeit beachtet werden. Eurer Künstlerkarriere nutzt es wenig, wenn das Werk nicht mehr durch die Tür passt. Ansonsten seid ihr thematisch frei. Ob durchsichtige Kreuzfahrtschiffe aus Gefrierbeuteln und Flaschenböden oder Landschaftsdioramen berühmter Gemälde aus Haferkekskarton und Zwiebelnetzen. Alles geht.

C6) Ein dunkler Raum mit schwarzen Wänden dient als Aufführungsort einer Videoinstallation. Zwölf Videoprojektoren ringsum im Raum werfen in unterschiedlichen Zeitabständen abstrakte Farbmuster an die Wand. Außerhalb eines Kunstausstellungskontextes solltet ihr auf Konsumenten illegaler Betäubungsmittel hoffen. Leider fehlten diesmal die Liegen.
Ratschlag: Solch eine Diskodeko ist ideal, wenn ihr Beziehungen zur DJ-Szene habt. Da könnt ihr als VJ immer kostenlos mit rein.

Es gab noch mehr zu sehen, aber vieles erreichte nicht mal die Qualität der ebenfalls ausgestellten Vordiplominstallationen einer Klasse von Bühnen– und Kostümbildstudenten der HfBK Dresden. Und vieles war wie manches, was ich hier in diesem, unserem Ratgeberblog schon veröffentlichte.
Für weitere Eindrücke sucht im Internet bitte selbst nach Fotos, auch wenn die einst so beliebten Bilderstrecken in diesem Jahr rar geworden sind.

So, das war das.
Meine Reihe mit Praxisbeispielen wird fortgesetzt. Eine wichtige Ausstellungsörtlichkeit in Dresden hat nach einer Renovierung neu eröffnet. Es handelt sich um das »An-Institut zur Erforschung von Ausstellungstheorie und –praxis an der HfBK Dresden unter Assoziation aller Lehrstühle der TU Dresden, die das Wort „Kunst“ im Namen führen«, gemeinhin kurz »Kunsthaus Dresden« genannt. Es stellen dort im Augenblick auch „Ostrale-Stars“ aus. Aber davon später mehr.

Praxisbeispiele Ostrale B) politische Kunstausstellungskunst

1 Kommentar

ostraleerprobt2

B1) Ein Video von 85 Minuten Länge wird gleichzeitig auf 5 Monitoren gezeigt. Und zwar kapitelweise zeitversetzt, so daß man theoretisch nach 20 Minuten das ganze Video gesehen hat. Das Video zeigt die Schönheit des Männerbündischen und des Kampfes im Leben zweier strenggläubiger Religioten im Nahen Osten.
Ratschlag: Gut ist die Präsentation dieses langen Videos gelungen. A b e r: Nur die Kamera draufhalten, hinterher was zusammenfrickeln und hoffen, daß das Material einen zufälligen Zuschauer genauso beeindruckt wie euch, funktioniert nicht! Entweder ihr habt einen Plan für einen Dokumentarfilm, dann macht auch einen. Oder ihr versucht es mit den künstlerischen Techniken der Verkürzung und Abstraktion. So etwas Unausgegorenes wie das hier kriegt ihr nur ausgestellt, wenn die Kuratoren ihrerseits ein politisches Stähtment abgeben wollen.

B2) Die Wände eines kurzen fensterlosen Gangs wurden mit jeweils einem großformatigen Fotos der israelischen Grenzmauer beklebt. Diese Bildtapete hätte ich auch unter der Rubrik A)Raumausstattung/Inneneinrichtung einordnen können. Aber das Werk ist ein schönes Beispiel für Nichtkunst, welche nur durch seine Zuschreibung (hier propalästinensisch vs. „israelkritisch“) als Kunst funktioniert.
Da ich allerdings zu jenen gehöre, die weder „Spiegel“ noch „Freitag“ lesen, blieb bei mir der Grusel während des Durchschreitens des Ganges aus. Mal abwarten, ob solche Bilder von der nordkoreanischen Südgrenze auch ausgestellt werden.
Ratschlag: Wollt ihr eine politische Aussage machen, dann verlasst euch nicht darauf, daß die Leute schon wissen, was gemeint ist. Gerade bei politischen Kunstwerken kann das nach hinten losgehen. Mehrdeutigkeiten innerhalb eines engen Korsetts sind OK. Aber Uneindeutigkeit kann euch die Reputation kosten.
Übrigens hat der Künstler hat am letzten Ausstellungstag höchstpersönlich sein Werk decollagiert. Sprich, er hat es selbst wieder von der Wand gekratzt und das als eine Kunstaktion dargestellt. Das ist eine richtig gute Idee!

B3) Es gibt ein Geschicklichkeitsspiel, welches unter dem Namen „Jenga“ bekannt ist. Wenn zwei dieser Jenga-Türme nebeneinander gespielt werden und wenn dabei jeder Spielzug fotografiert wird bis hin zum Zusammenbruch der Türme und wenn dann aus den Fotos ein Stop-Motion-Video gemacht wird und wenn dann dieses Video ausgestellt wird, so daß wir es sehen können, dann sehen wir ein schönes Stück 9/11–Truther–Kunst. Da brauchte es gar nicht mehr die Eindeutigkeiten im Titel und im Kunsterklärzettel, um zu erkennen, worum es geht.
Ratschlag: Eine gute Idee muss, wie hier, gut umgesetzt werden. Gerade in den Bereichen Verschwörungstheorien, Esoterik und Gender wimmelt es von Ideen, derer sich Künstler_Innen annehmen können.

Politische Kunst ist wichtig. Ihr müsst euch, wenn ihr ausgestellt werden wollt, an der politisch korrekten Hauptkonsensmeinung der Ausstellungsmacher ausrichten. Denkt immer daran: Kein Kurator/Galerist wird seine Karriere für politisch falsche Kunst eines Neulings opfern.
Es liegt jetzt der Gedanke nahe, daß ihr euch von der Staatskunst der sozialistischen Bruderländer der DDR inspirieren lasst.

Praxisbeispiele Ostrale A) Raumausstattung/Inneneinrichtung

2 Kommentare

ostraleerprobt2

Ein Wort zum Katalog der Ostrale ˙O13.
Denkt nicht, daß ihr in diesem Katalog eine Dokumentation der vorgefundenen Ausstellung findet.
Es ein tolles Buch voller Kunsterklärzettel und schicker Fotos. Die Fotos wurden nicht der Ausstellung gemacht. Sie lassen meist nicht erkennen, wie das jeweilige Kunstwerk in seiner Gesamtheit aussieht oder wie es hier dargeboten wurde.
Die Texte solltet ihr euch aufmerksam durchlesen. Sie stammen nicht von der verantwortlichen Werbeagentur, sondern von den Kuratoren. Das heißt, daß das die Sprache ist, die die Leute sprechen, die über eure Karriere mitentscheiden. Außerdem ist auch gleich alles in International Art English (IAE) übersetzt.
„Ein särr lährreiches Buch!“ wie der jüngst dahingeschiedene Literaturpapst sagen würde.

Aber jetzt zu den Praxisbeispielen. Ich habe mir eine Einteilung einfallen lassen, die sich nicht nach dem Medium richtet. Das soll euch etwas die Einordnung erleichtern.

A) Raumausstattung/Inneneinrichtung

A1)Ein Leuchtkasten von ca. 1 x 0,8 m, wobei die Abmessungen nicht wichtig sind, bekommt seine Leuchtfläche mit großen Glasmurmeln ausgefüllt. Es sind überwiegend klare Murmeln. Für Akzente sorgen wenige farbige Murmeln. Über diese Schicht aus Murmeln kommt zur Fixierung eine Glasplatte, gehalten von einem, den gesamten Leuchtkasten umfassenden schwarzen Rahmen.
Mehrere dieser Leuchtkästen geben ein schönes indirektes Licht. Deshalb hat die Künstlerin auch viele gemacht und ausgestellt.
Als Fernsehleuchten machen sich solche Lampen sehr gut. Und wenn man dann noch die Definition im Kunsterklärzettel von Kindheit usw. liest, hat man immer eine Entschuldigung, bis in die Puppen vor der Glotze zu hängen.
Ratschlag: Immer ein paar dieser Diffusorlampen bereithalten, um flexibel auch auf die dunkelsten Stunden einer Galerie reagieren zu können.

A2)Um eine Tür sind auf beiden Seiten der Mauer verschiedenfarbige, 2cm breite Klebebänder aus dem Bastelladen in spannungsreichem Mit– und Gegeneinander an die Wand geklebt. Ohne diese Raumintervention hätte ich womöglich den Durchgang in den nächsten Raum nicht gefunden.
Ratschlag: Ein Satz dieser Dekoklebrollen immer im Werkzeugkasten bereithalten. Wenn es keine Türumrahmung zum Umkleben gibt, kann man auch andere Freiflächen mit Linien dekorieren, ohne in Gefahr zu geraten, den Fußbodenbelag mit Farbe zu verklecksen.

A3)Niedervoltlampen als Seilsystem mit blauen kleinen Leuchten. Die Stränge sind in Wadenhöhe über die gesamte Raumbreite von 10×12 Metern gespannt. Ein schönes mildes blaues Licht fällt auf den Fußboden und manchmal gehen die Leuchten an und aus, wie wir es von einer „funkelnden“ Weihnachtsdekoration kennen.
In Wadenhöhe nicht zur Installation empfohlen, wenn man die Wohnung noch normal nutzen möchte, aber unter der Schlafzimmerdecke oder im Bad wäre das eine romantische Ergänzung.
Ratschlag: Nicht wirklich etwas für Einsteiger. Außerdem muss es passen.