Ostrale 2014 – Fraktale

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Hangwärts Ostrale 14

Liebe Ratsuchende!

Einen Monat ist jetzt her, daß die Ostrale 2014 ihre Pforten schloss. Konnte man im letzten Jahr noch nicht klar sagen, wie sich die Ostrale nach der Reduzierung auf zwei Gebäude machen wird, wurde es in diesem Jahr deutlich. Der Grundton hat sich geändert. Keine Ausstellungspräsentationen mehr, die mit der Anmutung des Ludolfschen Schrottplatzes daher kamen und genau deshalb genau die gleiche Faszination auf das Publikum ausübten. Durch das geringere Raumangebot pro Präsentation erschien mir alles konzentrierter und fokussierter. In dem Teil mit der herkömmlichen Ostralebespielung fielen mir sogar Ansätze zur Stringenz auf. Fast so, als sollten Werke thematisch gruppiert sein. Ob es an der Neuaufstellung der „Firma“ Ostrale lag oder auch daran, daß der „Verdiente Kurator des Volkes“ Dr. Müller nach vielen Jahren nicht mehr mit von der Partie war? Ich weiß es nicht. Lösen konnte ich aber das Rätsel, was es mit der »drittgrößten jährlich stattfindenden Ausstellung von Gegenwartskunst in Deutschland« auf sich hat. Es fehlen die Kommas. Nach Documenta und BerlinBienale sieht sich die Ostrale als »drittgrößte , jährlich stattfindende , Ausstellung von Gegenwartskunst in Deutschland«.
Die O’14 zerfiel in fünf Unterausausstellungen, die sich deutlich voneinander unterschieden. Aber trotzdem war alles typisch Ostrale. Sie hätte also statt „äraund ju“ genausogut „Fraktale“ heißen können. Neben dem Ausstellungsteil der klassischen Ostrale gab es noch 4 andere Präsentationen, die allerdings nicht alle vom Ostrale-Tiem kuratiert wurden.

1) Herkömmliche Ostrale mit einigen Empfehlungen für Euch.
2) Die Ausstellung der Weightless Artists Association „Spartnic“ fand ich klasse. Weltraumthemen mag ich. Und die Ausstellungspräsentation war schick. Wenn man, wie ich, den Raum betrat, nachdem sich minutenlang keiner darin aufgehalten hatte, dann betrat man durch einen Vorhang einen total dunklen Raum mit schwarzen Wänden. Und erst beim zweiten Schritt reagiert die Beleuchtung. Aber es reagiert auch nur eine bestimmte Beleuchtung, je nachdem welchen Bewegungsmelder man mit dem ersten Schritt gerade aktiviert. So blieben Teile der Ausstellung immer im Dunkeln liegen. Die Qualität der Kunstwerke war weniger durchwachsen, als es die Ostrale an sich vermuten ließ. Den Teppich sollte es im Laden geben!
grauerteppsch

3) 25 Jahre friedliche Revolution – wichtiges Thema. Ohne sie gäbe es die Ostrale nicht. Trotzdem war die Präsentation nicht dolle. Es wurden Werke ausgestellt, deren Schöpfer mit Verve über Konsumterror und uns Dummköpfe, die wir dies nicht durchschauen, herziehen. Hätte nur noch gefehlt, dass sie offen über den Bedeutungsverlust des Künstlers an sich in der BRD lamentieren. Oh! Moment! Sie haben darüber lamentiert. Da verwechseln immer noch einige die Aufmerksamkeit des Zensors mit künstlerischer Relevanz.
Es mag an der Kooperation mit dem Künstlerbund Dresden e.V. liegen. Wie wir wissen, fördert der Freistaat Sachsen das Jubiläum „25 Jahre Friedliche Revolution“ mit Steuergeld. Die Förderung bekommen hauptsächlich Vereine. Der Vorsitzende des Künstlerbund Dresden e.V. ist Prof. Schieferdecker. Der vertritt mit Freuden obige Positionen und ist zufällig auch mit mehreren diesbezüglichen Assemblagen aus den 1990ern prominent vertreten.

Die Performänz-Videos vom Trio Petrovsky, Dorschner und Voigt sind irgendwie immer sehenswert, nur fragt man sich, was die halb verrotteten Reste einer Ausstellung mit einer Prämisse, die schon damals pubertär, dünn und lächerlich war und erst in den Nuller-Jahren durch die Republik tingelte, mit „25 Jahren Friedliche Revolution“ zu tun haben.
Auch fragt man sich, in wieweit Fotos von Graffitisprüchen von 1990 bis heute auf der O’14 richtig sind Sind diese Fotos, wenn schon nicht die Graffitis, überhaupt Kunst? Aber das ist eben die Ostrale.

Um den Förderrichtlinien genüge zu tun, wird einen Raum weiter an eine subversive Kunstaktion anno 1988 erinnert, die sogar durch die Deutsche Volkspolizei beobachtet wurde. Hört! Hört! Den vier Hanseln ist nichts passiert, da die VoPos davon ausgingen, die Abschlußaktion der gerade zu Ende gehenden Kunstmesse des DDR-Künstlerbundes zu sehen. So kam es jedenfalls seinerzeit mir zu Ohren. Egal, die Aktion bietet heute den Anlass, theatralisch mit blutroter Hillumination (ja, die Ostrale-Chefin projiziert selbst) und künstlerisch verfremdetem Stasi-Video von den Hauptbahnhofprotesten irgenwas zu beschwören. Schwamm drüber, daß die Protestierenden nicht extra für gegängelte Künstler auf die Straße gegangen waren. Hauptsache irgenwas mit friedlicher Revolution und Kunst.

Einen ganzen eigenen Raum gibt es für das Mnemosyne-Projekt. Die ausgestellten Werke sind voll ostraletauglich. 500 gelbe Badewannenenten in Fünferreihen zur Parade antreten lassen, und der halbe Raum ist schon mal belegt. Immerhin sind es DDR- Badewannenenten. Ein überdimensionierter Stöpsel soll ein rundes Sitzmöbel sein auf das sich niemand setzt, weil alle es für ein Kunstwerk halten. Und die Gummischlauchwolke, aus der es in eine Schale regnet, ist immer wieder lustig, wenn sie irgendwo gezeigt wird.

4. Die Länderpräsentation „Tschechische Republik“ brachte eine tschechische Wanderausstellung nach Dresden, die sich „Borderlinesyndrom“ nennt. Hier wurde sie etwas zerpflückt präsentiert. Auch wurde schamhaft der Bezug zu den Sudeten verschwiegen. Sie gefiel mir ausgesprochen gut. Spontan rief ich aus: „Jaroslav, ich möchte ein Bild von Dir!“.

5. „Preiwett Neschionelism“ war ein durchwachsenes Sammelsurium von mehr oder weniger osteuropäischen Künstlern und ihren künstlerischen Auseinandersetzungen mit den Identitätsproblemen ihrer Länder und deren Bewohnern. Holland war auch vertreten. Deutschland fehlt. (Aber wir haben so was ja auch nicht nötig. Deutsche Künstler arbeiten sich am Fremden ab, nicht am Eigenen.) Vorallem die Videos waren sehr oft rein beschreibend und manches war mir mangels tieferer Länderkenntnisse unverständlich. Ich komme noch darauf zurück, wenn ich euch einzelne Werke vorstelle, liebe Ratsuchende.

Interessant war, daß akustischen Kunstwerken auf der O’14 viel Raum eingeräumt wurde. Da hat eine Fünftageskarte schon Sinn. Nur leider hat das einem keiner vorher gesagt.

Was in der Austellung an Stringenz zugenommen hat, hat in den kostenlosen Begleitheften abgenommen. An der Kasse bekam man zwar einen kostenlosen Lageplan. Aber erst in einem anderen Heft waren die Künstler mit ihren Hängungen abgedruckt. Dann aber auch nicht mit den Werktiteln, sondern mit Stähtments. Generell war das alles sehr zusammengewürfelt. Zum Glück gibt es einen Katalog. Zweibändig und diesmal mit Fotos aus der Ausstellung. Nicht wie der letztjährige mit seinen stailischen Promobildern. Ein umfangreiches Werk, welches ich in der Ostrale-Kantine nur kurz durchblätterte.
Katalog 1 HEU
Katalog 2 FUTTER
Nein, gelesen habe ich die Kataloge noch nicht. Ich möchte mein Urteil weitgehend unbeeinflusst abgeben.

Für meinen Geschmack war es diesmal viel zuviel DresdnerKunstszene®. Mit den Länderthemen darf es gerne weitergehen. Das wird es wahrscheinlich auch. Im Abschlußinterview sprach die Ostrale-Chefin davon, daß es nächstes Jahr Sachen aus Afrika zu sehen geben soll.
Afrika? War da nicht was? Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden machen schon was mit Afrika. Das Aninstitut für Ausstellungstheorie und -praxis macht ebenfalls was mit Afrika. Jetzt auch noch die Ostrale. Wieso das? Aha, ein Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes macht es möglich.

Die Kunstinstitutionen folgen dem Geld. Soll man jetzt auf den Konsumterror schimpfen, der uns Kunstkonsumenten in Dresden bis weit ins nächste Jahr mit afrikanischer Kunst terrorisiert? Prof. Schieferdecker, übernehmen Sie!

erwSkulp
Dürfen in keiner Überblicksaustellung zeitgenössischer Kunst fehlen – Sperrmüllsien, als erweiterte Skulpturen getarnt.

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Televisionäre Kunstaustellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 74

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.
2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.
3.Schritt: Schau dir einen populären Kinderfilm deiner Generation wiederholt an und schöpfe dann mit Versatzstücken aus dem Film eine Werkserie. Mit fünf bis acht Bildern bist du gut dabei. Aber auch Objekte oder Assemblagen, möglichst mit Artefakten aus der Entstehungszeit des Films und/oder deiner Kindheit, sind möglich.
Ich hab keine Ahnung, welcher Film das sein könnte. Wie wäre es mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“? Behaupte einfach, jener Film wäre dein Lieblingskinderfilm und hätte dich all die Jahre nicht losgelassen.
4. Schritt: Nenn das ganze irgendwas mit Kindheit oder Unschuld oder Verlust.
5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Kunsthaus Dresden – Schludern im Osten

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Liebe Ratsuchende!

Am 28. 9. 2014 endeten drei Ausstellungen. Alle fanden im Kunsthaus zur gleichen Zeit statt. Sie hießen „soschiäll moschns“, „dschörmänn ängst“ und „demo tähp“.

Ob es ein neuer Trend ist, thematisch verwandte Werkgruppen von verschiedenen Künstlern als Einzelausstellungen zu deklarieren und damit die Statistik aufzublähen, bleibt abzuwarten. Allerdings ist klar, warum das Kunsthaus gesplittet hat. Die sächsische Staatsregierung warf eine halbe Million Euro ins Rennen, um das Gedenken an «25 Jahre friedliche Revolution» zu fördern. Dieses Fördergeld soll hauptsächlich an Projekte von Vereinen gehen. Deshalb ist bei der diesjährigen Ostrale der Künstlerbund Dresden e.V. mit an Bord und das Kunsthaus Dresden hat seinen „Freundeskreis Kunsthaus Dresden e.V.“ mit der erfahrenen Frau Brose-Eiermann vorgeschickt.

Dieser Verein gilt als Veranstalter der Ausstellung „DEMO TAPE“ mit Gemälden von Markus Draper.
Der Künstler hat Einzelbilder von dem bekannten Video über die Leipziger Demo anno 1989 auf Leinwand übertragen. Jeder, der irgendwann mal eine Fernsehsendung zum Thema sah, kennt das Video. Als Dresdner halte ich mich für unverdächtig, diese Gemälde mit zuviel Bedeutung aufzuladen. Ich find sie trotzdem gut in ihrer Darstellung von Massenaufläufen. Handwerklich richtig gut gemacht sind sie. Erst wurde das eigentliche Bild auf die Leinwand „getüpfelt“ und dann wurden die schwarzen Linien als Simulation von Zeilen eines schlecht auflösenden Röhrenbildschirms hinzugefügt. Die Bilder wirken aus drei Metern Entfernung besser als wenn man unmittelbar davor steht.
Glücklicherweise haben wir aus dieser Zeit kein einzelnes ikonografisches Bild, wie der „tank man“ etwa. Die Implosion der DDR war dazu zu komplex. Es ist daher kein Wunder, daß die relevantesten Kunstwerke zum Herbst `89 bisher Romane waren. Sehr komplexe Romane. Und ihre Verfilmungen. Ich bin gespannt, was noch an bildender Kunst zum Thema kommen mag.
Im Übrigen ist die Vereinspublikation zur Ausstellung ein schlechter Witz, für den man auch noch 1,50 bezahlen soll.

Der Versuch einer Gegenposition war die zweite Ausstellung. „GERMAN ANGST“ mit Werken von Annette Weisser.
Wie man dem Kunsterklärzettel entnehmen konnte, ging es im Kern um die alte Beschwerde der Westdeutschen, daß die Ostdeutschen mit ihrer friedlichen Revolution die Protestbewegungen der 80er in der ehem. BRD überstrahlen. Deshalb sollte in dieser Ausstellung eine Westdeutsche ihre Position in Bezug auf diese politische Proteste zeigen. Es hätte interessant werden können. Es war bieder und betulich.Es war Spießerkunst⁳.
Ob es daran lag, daß es einfach die lieblose Resteverwertung einer Ausstellung der Künstlerin mit dem Titel „Make yourself available“ im Heidelberger Kunstverein 2013 war, dessen derzeitige Chefin übrigens das Dresdner Kunsthaus 2007/8 als Mutterschaftsvertretung leitete? Oder lag es daran, daß die Ausstellung 2013 den Akzent auf eine Jugend in den 80ern in der süd(west)deutschen Provinz legte und nicht direkt auf die gesellschaftlichen Proteste jener Zeit? Oder lag es an der guten alten westgerman supremacy, die natürlich niemand zugeben würde, die aber gern zum Schludern im Osten verführt? Ich halte alles das für sehr wahrscheinlich.

Es bleibt wiedermal ein nicht zufriedenstellendes Arbeitsergebnis der kuratierenden Kunsthauschefin. Es scheint ohnehin, als wäre ihre Stärke seit einiger Zeit vom Kuratieren zum Texteverfassen gewandert. Obwohl diese Texte zunehmend ein Lektorat vertragen könnten. Wenn man die Kunsterklärzettel von Frau Christiane ließt, dann denkt man: Oho! So so! Wenn man die Ausstellungen sieht, denkt man: Hä? Wie jetzt? Deswegen gehe ich durch eine Ausstellung grundsätzlich erstmal ohne textliche Hilfestellungen und lese erst im Nachhinein, was der Kurator meint, was ich hätte sehen sollen.
Hier z.B. gibt es als Einstieg in den Begleittext ein starkes Zitat einer amerikanischen Künstlerin. Annette Weisser wäre in den 80ern „wie ihre Altersgenossen gefangen zwischen einem Horror vor dem deutschen Faschismus wie auch dem Ekel vor den offiziellen Bekenntnissen der Reue.“ Oho! Ein schiefer Skylla-und Charybdis-Vergleich! Was soll uns das jetzt sagen, fragte ich mich? Spricht hier diese oder jene etwa, allein schon durch die Weiterverbreitung des Zitats, dem „Schuldkult“ das Wort? Moment! Was hat das überhaupt mit Anti-Atom–Protesten und Ostermärschen zu tun, fragte ich mich weiter? Dann fand ich heraus, daß das Zitat aus einem englischen Text zur 2013er Ausstellung kommt. Es hat es offensichtlich nur deshalb ins Kunsthaus geschafft, weil es das einzig Aufregende an der ganzen Ausstellung ist. Ob die westdeutschen Altersgenossen der Künstlerin wirklich so empfanden, kann ich nicht sagen. Ich als mitteldeutscher Altersgenosse kann aber ungefragt klarstellen: Hier in Dresden war in den 80ern die Uhr schon lange weitergelaufen. Selbstverständlich hat unsere Besatzungsmacht uns, den DDR-Deutschen, nichts geschenkt, wenn es um die Kriegsverbrechen ging. Und die Kommunisten schenkten uns nichts, wenn es um die NS-Verbrechen ging. Aber trotzdem drehte sich die Erde weiter. Wir waren nicht gefangen von einem Horror vor dem deutschen Faschismus. Definitiv nicht, denn der war irgendwann vorher aufgearbeitet. Und ein offizielles Reuebekenntnis wie in der BRD gab es nicht. Es gab immer hohler werdende Bekenntnisse zu Frieden und Sozialismus. Man brauchte solche öffentlichen Bekenntnisse nicht ernstnehmen. Trotzdem konnte man eine Haltung gegen Krieg und nationalen Sozialismus haben.
In der DDR in den 70ern war unsere Eltern endgültig aus den Ruinen auferstanden und in den 80ern hatten wir uns der Zukunft zugewandt. Es gab dann das ganze Jahrzehnt eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung darüber, wie diese Zukunft aussehen sollte. Da wir uns als Gesellschaft nicht einigen konnten, führte der Meinungsfindungsprozess letztlich zum Herbst `89 und in dessem Gefolge zur deutschen Wiedervereinigung. Nun in der BRD, wurden wir neben vielem anderen plötzlich wieder mit den Lippenbekenntnissen zu etwas längst Bewältigtem überrascht. Wie retardierend! Aber besser als sich davor zu ekeln ist es doch, den Mund aufzumachen und zu sagen, daß man sich ekelt. Also macht den Mund auf. Wovor habt ihr Angst?
Heute fühle ich mich sehr oft in die Zeit der DDR zurückversetzt, z.B. wenn Musikgruppen erst auftreten dürfen, wenn sie sich öffentlich zu Frieden und Sozialismus dazu bekennen, politisch Links zu sein. Ähnlich ist es in der bildenden Kunst. Was auch nur danach riecht, nicht links zu sein, wird nach Möglichkeit ausgemerzt. Dieser Gefahr der gesellschaftlichen Ächtung sind sich alle Künstler bewusst. Deshalb ist das meiste, was sich heute als Kunst mit Politik beschäftigt, schlimmer Schranz. Bierernste Kopfgeburten; politisch überkorrekt und so langweilig, daß man aufpassen muß, nicht lang hinzuschlagen beim Anschauen.
Dafür sind wir 1989 nicht auf die Straße gegangen, Bürger! Aber jede Revolution frisst ihre Kinder. Selbst wenn sie so friedlich wie die vom November 1989 sind. So geht das.
Das Zitat entstammt offensichtlich der angelsächsischen Tradition, eine Rede mit einem Knalleffekt zu beginnen, um die volle Aufmerksamkeit zu erhalten und hat keine darüberhinausgehende Bedeutung. Reinstes Marketing.

Die dritte Ausstellung hieß „SOCIAL MOTIONS“ mit Werken der mal als serbisch, mal als ungarisch bezeichneten Katarina Sevic und ihrer Kunsttruppe Tehnica Schweiz.
Ein kompletter Totalausfall. Das Hauptwerk war ein Video einer Performänz, wo Leute über eine Stadtbrache staksen. Ohne Kunsterklärzettel wusste man nicht, was gemeint sein könnte. Eine Performance mit fragwürdigen Prämissen und dünner Unterfütterung. George A. Romero hat das bereits 1968 wesentlich besser abgefilmt. Null Punkte – Durchgefallen.
Generell ist zu sagen: Selbst wenn das heimliche Oberthema dieser drei Ausstellungen »Individuum und Gemeinschaft« gewesen sein sollte, so waren es wieder zwei Ausstellungen des Kunsthaus Dresden, die nicht zufriedenstellten. Mir ist wieder mal bestätigt worden, daß in der ehem. BRD sozialisierte Menschen mit diesem Thema einfach überfordert sind. Nicht mal bis zu unserem Nationalfeiertag war geöffnet.

Zum Glück braucht die Kunsthauschef_in nicht um ihren Stuhl bangen, nachdem sie jetzt wieder erfolgreich Drittmittel für das „Aninstitut für Ausstellungstheorie und -praxis an der HfBK Dresden“ eingeworben hat. Ab Mitte Oktober gibt es für vier Wochen die Ausstellung der Meisterschüler_innen-Absolvent_innen der HfBK Dresden. Da ist nichts falsch zu machen. Und danach gibt es die nächste Versuchsanordnung, in der für 5 Monate Ausstellungstheorie praktisch erforscht wird.
Ich bleibe dran.

Dieser Text ist ein Beitrag zum Jubiläum «25 Jahre friedliche Revolution». Leider wurde versäumt, Fördermittel abzuschöpfen.
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Hoch die internationale Solidarität!