Ratschlag 100 – Glitzernde Kunstaussstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:
1. Schritt: Nimm eine alte Bude.
2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Schritt: Besorge dir altes Spielzeug aus den 70er Jahren. Es darf sehr abgespielt sein. Klebe darauf Swarovski-Kristalle. Präsentiere diese Stücke auf Podesten unter Glasstürzen.
4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.
5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!
Das war doch einfach, oder?

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Ostrale 2015 – kuratierte Kunstmesse

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Liebe Ratsuchende,

Kurz vor Eröffnung der Ostrale 2016 am 1. Juli möchte ich noch die schon lange versprochene Rezension der Ostrale 2015 abliefern. Aus verschiedenen Gründen ist es nur eine Kurzrezension. Ich bitte um Nachsicht.

Diese Ostrale war eine erwachsene Ausstellung. Totalausfälle waren nicht zu verzeichnen. Sperrmüllsien, die sich unter dem Deckmantel des erweiterten Skulpturenbegriffs als Kunstwerke tarnten, waren diesmal ebenso abwesend wie unausgegorene Ideen, die auch noch handwerklich schlecht umgesetzt wurden. Kein Vergleich mit Ostralen früherer Jahre.

Ich hatte in meinem Vorbericht noch bedauert, dass in der Ankündigung die üblichen Übertreibungen fehlten. Das war eine Fehleinschätzung. Ich hatte an der falschen Stelle gesucht. Die Publikumsveräppelung bestand diesmal in der Ankündigung, als Sprungbrett für junge, nicht etablierte Künstler wirken zu wollen. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, alle teilnehmenden Künstler auf Jugend und Etabliertheit abzuklopfen, aber die, die ich schon kannte, waren weder jung noch nichtetabliert. Das mit dem Sprungbrett mag zutreffen. Zum ersten Mal sind mir viele rote Punkte aufgefallen. Ihr kennt ja diese „Verkauft“-Punkte, wie sie in Galerien an das Schildchen geklebt werden. Nun also auch bei der Ostrale. Warum nicht. Die Jury bestand aus fünf Personen, von denen drei Galeristen waren. Vielleicht lag es ja an ihnen, dass die Ostrale so einen aufgeräumten Eindruck machte. Sie war richtiggehend zugänglich. Eine Jury-Mitgliederin war die Dresdner Galeristin Nütt. Prompt wehte ein leichter Geruch von »Dresdner Kunstszene®« durch einen Ausstellungsraum. Auch war die selbsternannte »Dresdner Kreativwirtschaft®« angetreten, um der Ostrale unter die Arme zu greifen. Es gab zwei Ausgaben eines Kundenmagazins. Diese kostenlose Hochglanzzeitschrift a lá „Dein Bahnhof mobil“ war nett und fluffig, aber leider ohne Nährwert. Das Austellungsverzeichnis war völlig unbrauchbar.

rote punkte

Rote Punkte meint erfolgreiche Künstler dank rühriger Galleristen

Den Vergleich zwischen Ostrale und Kunsthaus bezüglich der Ausstellung von afrikanischer Kunst entschied die Ostrale für sich. Es wurde eine breite Auswahl von afrikanischen Künstlern gezeigt, die meinen Horizont erweiterten.

Dr. Bomboka

Afrikanische Zauberer haben Mobiltelefone fürs Geschäft

 

Zu Recht ausgezeichnet wurde ein 3D-Bild-Projektor-Dings eines polnischen Künstlers, welches Bilder aus Rauch fabrizierte. Ich hätte gern mehr dazu gewusst, aber das Teil war permanent dicht umlagert. Eine faszinierende Sache. Mir gefielen die Arbeiten polnischer Künstler generell gut.

Politische Kunst war auch wieder dabei.Die Werke eines geflüchteten Nordkoreaners waren drastisch direkt. Die einzige Reminiszenz an die Qualität früherer Ostralen war das Werk eines Modelleisenbahners. Es war ein dezidiert politisches Werk. Aber in seiner Reflexionsuntiefe und seinen tagespolitischen Bezügen war es schon im Juli 2015 überholt.

Diese Ostrale war nach meinem Geschmack. Ich habe mich sehr wohl gefühlt mit den ausgestellten Kunstwerken. Ich denke, das lag an der Qualität und nicht an einer eventuell beginnenden Altersmilde meinerseits. Ich werde früher oder später noch einige Ratschläge in separaten Beiträgen geben. Kommenden Freitag öffnet schon die Ostrale 2016. Es gibt viel zu tun. Auf denn!

PS: Hier noch drei lustige Bilder:

fliegendes Nashorn

lustiges Leuchtdia 1

fliegender Löwe

lustiges Leuchtdia 3

fliegende Giraffe

lustiges Leuchtdia 2

Ratschlag 99 – Smartphone voraussetzende Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Diesmal benötigst du neben gewissen technischen Voraussetzungen auch einen längeren Zeitraum, um dieses Werk zu vollenden. Aber wenn du heute beginnst, kannst du es im Februar ausstellen. Denn Ja! Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm dir irgend ein langes Werk der Weltliteratur. Auch eine Gedichtsammlung aus dem 19. Jahrhundert ist passend. Lies jeden Tag zwanzig Seiten, falls du dich für Belletristik entscheidest. Lies jeden Tag ein Gedicht, falls du dich für eine Gedichtsammlung entscheidest. Nach dem Lesen sprich einen fünfminütigen Monolog in dein Aufnahmegerät. Ob Bildaufzeichnung oder reine Tonaufzeichnung liegt in deinem Ermessen. Sprich darüber, was das Lesen dieser zwanzig Seiten/des Gedichts mit dir innerlich gemacht hat. Das ziehst du die vollen 800 Seiten durch. Du darfst nicht zitieren! Aus deinen 5-Minuten-Dialogen machst du einen Podcast und stellst ihn auf eine Seite im Internet, deren Adresse nicht ohne weiteres auffindbar ist. Den Link codierst du als QR-Code. Druck diesen viereckigen Code groß aus. Häng den Druck gerahmt an die Wand. Ob du diesen Bildern als Betitelung eine eindeutige, fortlaufende Zahlenfolge gönnst, bleibt dir überlassen. Lass die Leute ihre internetfähigen Smartfohns und Tebletts vorort benutzen. (Achtung: Netzverfügbarkeit vorher kontrollieren!) Die Besucher sollen mithilfe der QR-Codes jeweils ein Podcast abrufen. Eventuell kannst du Kommetare zulassen, die von den Besuchern direkt unter die QR-Code-Bilder geschrieben werden können. Dazu müsstest du noch Stifte und Zettel darunter anbringen.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

PS: Dein Mörchendeisingstand nimmt während der Ausstellungsdauer Vorbestellungen für die DVD mit dem gesammlten Podcasten entgegen. Das Ausliefern nicht vergessen!

Ratschlag 98 – verhüllende Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Befestige große, quadratische, blickdichte Stoffhüllen, ca. 1,5m x 1,5m, mit ihren Ecken an die Wand. In diesen Hüllen befinden sich Gegenstände. Mach es dem Betrachter schwer, zu erkennen, was genau sie sind. Z.B. ein Hocker mit der Sitzfläche zur Wand. Man erkennt nur vier Spitzen der Beine.

Raune im Kunsterklärzettel erratisch über das Geheimnis, das Verborgene im Sichtbaren und was dir noch in dieser Richtung einfällt. Die Grenze zur behauptistischen Kunst ist überschritten, wenn du im Text irgendwas, nicht ohne weiteres Nachprüfbares, behauptest.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 97 – dunlopphile Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Such dir verschiedene Materialien, die sich spanend bearbeiten lassen. Holz, Styropor, Gasbeton, Gips, Speckstein, Paraffin und anderes. Schnitze daraus Autoreifen im Maßstab 1:1. Zur Herstellung des Reifenprofils kannst du auch eine Fräse verwenden. Die  fortgeschrittenen Handwerker unter euch werden keine Probleme haben, das Reifenprofil als Tribals, Jugendstilornamente oder ähnlichem auszuführen. Wollt ihr witzig sein, dann fräst ihr in das Profil Dinge ein, die der Reifen überfahren haben könnte. Schuhspitzen und Mausköpfe etwa.  Stell die Reifen in den Raum oder bau diese typischen Reifenpyramiden.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

PS: Für dein Mörchendeising gieße solche Reifen im Maßstab 1:30 aus Bienenwachs.

Ratschlag 96 – maschinengeknüpfte Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Sammle Teppiche unterschiedlicher Größe. Lege sie in der Mitte des Raumes übereinander. Die Größten zuunterst den Kleinsten zuoberst. Am Ende liegt im Ausstellungsraum eine pyramidenähnliche Form, gestaltet aus Teppichen.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend. Oder du nimmst politisch Stellung und beziehst deinen Titel auf Zikkurate im heutigen Kriegsgebiet.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Bildschirmhintergrundbild – November 2015

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Hier ist der Novemberkalender mit einer Dresdner Brücke. Da ich  Heraufladeprobleme hatte, erst am Abend des 1. November. Die Verspätung versetzt mich aber in die Lage, den ersten Tag im Kalendarium wegzulassen. Sieht viel schöner aus. So rein typografisch gesehen, oder?

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

November vorbei15

cc-by-sa3.0 Kurt Ernst

Ratschlag 95 – hohmdekor–Kunstausstellungkunst selbstgemacht

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Heute mal ein Ratschlag für alle unter Euch, die mit Farbe arbeiten. Ob Gott Gerhard, Halbgott Damien oder ihre Kollegen, sie alle konnten sich nicht zurückhalten, etwas als Kunst zu deklarieren, was ich für so ziemlich das Langweiligste halte, was in einer Galerie die Wände belegen kann. Ich rede von Farbtafeln.

Wenn ein Maler seine Farben auf Maluntergrund aufbringt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie diese getrocknet und bei Tageslicht wirken, dann ist das eine rein handwerkliche Tätigkeit, die durchaus sinnvoll sein kann. Dann noch die Beschriftung der jeweiligen Farbbehältnisse druntergeschrieben, damit man sie auch wiederfindet und gut ist. Daraus allerdings ein Werk zu machen, zeugt entweder von Chuzpe oder von Einfallslosigkeit. Ob eckige oder runde Flächen auf diesen Farbtafeln oder etwa „Bilder“ in Serie in A4-Format und gerahmt, mit jeweils einer Farbe angestrichen, ist egal. Leicht verdientes Geld lockt.

Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben. Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm eine Fertigleinwand und deine Auswahl an fertig gemischten Acrylfarben. Zähle durch, wieviele Farbflächen du benötigst und zeichne die Kästchen mit Zeichenkohle vor. Dann füllst du die Leinwand mit den Farben. Mach dir vorher Gedanken, wie es harmonisch aussehen könnte. (Vielleicht erinnerst du dich an deinen Kunstleistungskurs am Gymnasium. Dort habt ihr das schon mal mit Wasserfarbe gemacht.) Mit der Zeichenkohle schreibst du geheimnisvolle Kürzel unter die einzelnen Farbflächen. Im Kunsterklärzettel nimmst du Bezug auf eine der zahlreich vorliegenden Farbenlehren.

Willst du in einem off-space austellen, kaufst du dir in einem 1-€-Laden einen Block mit farbigem Karton und genau so viele rahmenlose Fotohalter, wie es verschiedene Farben in diesem Block gibt. Den Karton schneidest du aus und füllst damit diese Fotohalter.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 94 – Zombie–formalistische Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Zombie–Formalismus bezeichnet eine Stilrichtung der abstrakten Malerei. Wo Gott Gerhard noch rakelt, wird bei Bildern des Zombie–Formalismus geschmirgelt, abgezogen und sandgestrahlt. Wichtig ist, dass das Werk aussieht wie eine flüchtig gespachtelte, auf Tapete wartende Wand. Das Werk erzählt nichts. Es hat keinen Inhalt, keine Bedeutung außer seiner reinen Existenz. Genau das richtige für Leute, die irgendwas mit Kunst machen wollen. Beliebt bei Leuten, die irgendwelche Kunst für was auch immer brauchen. Hauptsache großformatig.

Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm Leinwände aus dem Baumarkt. Beginne mit zwei Schichten Farben, die du flächig aufträgst. Nach dem Antrocknen schleifst du die Leinwand mit der Farbfläche nach unten solange über den Garagenboden, bis sich eine zufriedenstellende Struktur ergibt. Wichtig: Die Farben sollen sich nicht beißen!

Wenn du geübter bist, dann kannst du mit den Farbschichten experimentieren. Z.B. an den Ecken jeweils verschiedene Farben und dann alles mit 100er Sandpapier überschleifen. Du kannst auch Farbschichten auftragen und die oberen Schichten mit Lösungsmittel wieder partiell abwaschen.

Ist dir Farbe zu umständlich, kannst du auch Materialbilder herstellen. Aber zu Materialbildern komme ich nochmal extra.

Wichtig ist die totale Leere, die sich bei der Betrachtung einstellt. Mit Zen hat Zombie Formalismus allerdings nichts zu tun.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

 

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 93 – Selfie–Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm eine Schaufensterpuppe. Gestalte ihren Kopf als Selbstbildnis. Nun stellst du dich daneben und machst ein Selfie. Dann verkleidest du dich z.B. als Jimmi Hendrix und machst ein Selfie. Danach folgen Selfies mit dir als Adolf Hitler, Warhol, Steve Jobs, Beckenbauer usw.. Wenn du das Prinzip erfasst hast, kannst du dir nach eigenem Gusto Gruppierungen von Leuten zusammenstellen. Falls du einen Kommentar mit dem Werk abgegeben willst, wechsele die Fotografierperspektive nicht. Entweder alle Selfies sind von dir als Verkleidetem gemacht worden oder aus dem Blickwinkel der Puppe.

Drucke die Selfies in passender Größe aus und behänge die Wände damit.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend oder mit einem sprechenden, erklärenden Titel.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 92 – Konzeptkunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm Gegenstände des täglichen Lebens. Mach von diesen eine 1:1–Abformung. Gieß sie in Bronze. An die Wände hängst du Bilder der Gegenstände. Diese Bilder machst du, indem du die Gegenstände auf den Skänner legst. Es bleibt dir überlassen, ob du die eingeskännten Bilder vergrößerst oder im Maßstab 1:1 ausdruckst.

4. Schritt: Nenn das ganze nachdem, was du abgeformt hast. Vergiss eindeutige Zahlenkombinationen als Teil des Titels nicht. Der Kunsthandel wird es dir danken. Nenn es also »newspaperpile I-VI« oder »X-Box 3 24/12« oder »toothpastetube 934« .

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 90 – textilveredelnde Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Schlag Nägel in die Wand. Häng Kleiderbügel dran. Häng auf die Kleiderbügel T-Schirts. Bemal diese vorher mit Textilfarbe. Krakelige Zeichnungen, Porträts deiner Bekannten. Schreibe deren Namen darunter. Verwende T-Schirts der Größe XXXL, denn deine Sammler wollen sie eventuell tragen.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 89 – abstrakt-übermalende Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Besorg dir Reproduktionen von Gemälden alter Meister. Übermale sie abstrakt.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk ansich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

PS: Falls euch der 3. Schritt zu kurz geriet, hier nochmal etwas ausführlicher: Ihr nehmt zum Beispiel einen Leinwanddruck vom »Mann mit dem Goldhelm« oder von einem richtigen Rubens. Dann testet ihr für den Anfang mit einem Bildbearbeitungsprogramm im Computer die Bildkomposition. Farbspritzer oder nasse Farbflächen, die nach unten auslaufen sind möglich. Oder ihr malt ein seltsames Netz über das Bild oder oder oder. Habt ihr etwas Zufriedenstellendes ausgetüftelt, dann schreitet ihr zur Tat.

Ratschlag 88 – schuhregalige Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Sammel alte Schuhe. Im Idealfall deine eigenen. Du benötigst Einzelstücke. Vergolde sie. Nimm eine weißlackierte Spanplatte mindestens in den Maßen 2 x 2 Meter. An diese bringst du Wandborde an, wie sie gerade in Mode sind. Weiß und zirka 5 Zentimeter dick, damit die Befestigung unsichtbar ist. Diese müssen aber einheitlich nur so breit sein, dass jeder Schuh bequem draufpasst. Also fast quadratisch. Diese Wandborde bringst du im Raster an. Dabei ist es egal, ob versetzt oder rechtwinklig. Diese Art Schuhdisplay schraubst du an die Wand und bestückst es mit den vergoldeten Schuhen.

4.Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 87: feinmechanische Kunst selbstgemacht

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm Quarzuhrwerke für Wanduhren. Häng sie an die Wand. Befestige an den Zapfen statt der Zeiger Schnüre. Diese Schnüre wickeln sich durch die Drehung der Zapfen auf die Zapfen. Dadurch kannst du leichte Gegenstände die Wand emporziehen lassen. Zum Beispiel Rauschgoldengel.

Bedingt durch die Langsamkeit der Bewegung kannst du diese Uhrwerke auch am Ende eines Tapeziertischs platzieren. Dann kannst du ein Autorennen simulieren. Oder du zeichnest Laufbahnen wie im Olympiastadion auf den Tisch und lässt Läuferfiguren ins Ziel ziehen. Je nach Lust und Laune kannst du das als Kommentar zur Dopingproblematik oder zur Schönheit des Sports darstellen. Statt Läufern kannst du auch Figuren von Schwimmern in einem 3D-Drucker herstellen.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk ansich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Sommergeplauder 2: Das Kunsthaus Dresden im Rausch der Romantik oder Anticapitalismo rulz!

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Hochsommer, meine Holliwudd-Schaukel und ein Glas Eistee bringen mich in Plauderlaune. Heute möchte ich ein wenig über die erste Ausstellung der Saison im »An-Institut für Ausstellungstheorie und –praxis der HfBK Dresden«, auch als »Kunsthaus Dresden« bekannt, plaudern. Sie lief vom 21.11.14 bis zum 15.3.15 und hieß:

Kirunatopia
Im Schatten der Zukunft / Kunst zu Landschaft und Ressourcen im 21. Jahrhundert

Während meines Besuchs hatte ich ein seltenes Erlebnis. Je länger ich blieb, desto mehr stieg mein Blutdruck. Am Ende war ich so wütend, hilflos und verärgert, dass ich am liebsten mit meinem Selfiestick dazwischen geschlagen hätte. Nur konnte ich mir nicht erklären, was mit mir passiert war. Erst viel später traf mich die Erkenntnis wie eine kalte Dusche: Ich sollte manipuliert werden. Und zwar auf das Bösartigste. Aber von Anfang an:

Römisch Eins

Es gibt in Nordschweden die weltgrößte Eisenerzmine. Diese Mine hat für ihre Bergarbeiter eine Siedlung, inzwischen stadtgroß. Diese Stadt heißt Kiruna. Nun ergab es sich zur Jahrtausendwende, dass diese Bergarbeitersiedlung um einige Kilometer verschoben werden muss, um die Sicherheit der Bewohner vor Bergschäden und die weitere Ausbeutung der Erzmine zu gewährleisten. Bezahlt wird das von der Minengesellschaft und es gibt darüber Konsens mit den Bewohnern.
Diesen Umzug nahm das Goethe–Institut Schweden zum Anlass, 2007 ein Kunstprojekt in dieser Stadt zu starten, deren Ergebnisse 2012 daselbst ausgestellt wurden.
Der Chef vom Goethe-Institut Schweden, Rainer Hauswirth, schreibt dazu im Einführungstext: „Die Ausstellung Kirunatopia (2012), initiiert vom Goethe-Institut Schweden, in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Stadt Kiruna, widmet sich den Fragen zu der Geschichte der Rohstoffgewinnung, industrieller Transformation und Landschaft als Konzept der Moderne.“
Landschaft als Konzept der Moderne? Der Beginn der Moderne wird verschieden terminiert. Während das für die meisten Leute die Gründerzeit ist, gilt für die Philosophie die Aufklärung als Beginn der Moderne. Für die Soziologie wiederum wird gern die franz. Revolution 1789 als Markierung genommen. Dass die vormoderne Menschheit im Umkehrschluss kein oder ein anderes Konzept von Landschaft hatte, ist eine typische Kuratorenschwurbelei. Immerhin wird so eine Prämisse gesetzt. Zur Untermauerung dieser braucht es jetzt noch das Zitat einer Geistesgröße. Hauswirth zitiert Georg Simmel. der seinen Schaffenshöhepunkt um 1910 herum hatte:„Die Natur, die in ihrem tiefen Sein und Sinn nichts von Individualität weiß, wird durch den teilenden und das Geteilte zu Sondereinheiten bildenden Blick des Menschen zu der jeweiligen Individualität »Landschaft« umgebaut.“ Nochmal in heutigem Normaldeutsch: Die Natur liegt gemütlich da draußen rum und dann kommt der moderne Mensch und zerschneidet sie ungefragt einfach so in einzelne Landschaften.

Georg Simmel ist heute hauptsächlich als Begründer der Soziologie bekannt. Weniger bekannt, aber für diese Ausstellung viel wichtiger ist, dass er ein angesehener Vertreter der Lebensphilosophie war. Diese ist eine idealistische Philosophie. Sie lehnt Utilitarismus, Rationalismus oder gar ein materialistisches Weltbild ab. Sie arbeitet gern mit dem Intuitiven, dem Mystischen und Numinosen. Da passt beseelte Natur ganz gut dazu. Übrigens veröffentlichte Georg Simmel 1900 eine Philosophie des Geldes, in der er gegen die Vergötterung des Geldes, gegen Bankenmacht und Gewinnstreben anschrieb. Falls ihr jetzt vermutet, dass das etwas mit der Lebensreformbewegung zu tun haben könnte, dann vermutet ihr völlig richtig. Wir sind hier mittendrin in diesem Geisteskosmos.
Herr Hauswirth schreibt weiter in dem Einführungstext: „Dabei ist das Konzept einer ‘Landschaft’ wie Simmel es beschreibt, bereits selbst ein Nebenprodukt eben jener industriellen Moderne, eines Denkens der Neuzeit, das spätestens mit der Romantik auch die Naturwahrnehmung zerteilt und in funktionale Bereiche zerlegt, denen einerseits die Herstellung von Emotionen und andererseits die materiellen Ressourcengewinnung zugeteilt wird.“ Da haben wir sie, die deutsche Romantik. Wiedermal darf sie als die Gute gegen die Schlechte, die Moderne, in den Ring steigen. So fügt sich eins zum anderen. Damit es aber so richtig voll total romantisch wird, kommt jetzt noch der Edle Wilde ins Spiel. Mangels wirklichen Widerstands gegen die Stadtverlagerung muss der Ureinwohner, hier der Same, herhalten. Also wird der Verlust von Weideflächen und ursprünglicher Landschaft(sic!) durch die „Industriekultur der Moderne“ beschworen.

Römisch Zwei:

Für Dresden schreibt Frau Mennicke-Schwarz im Einführungstext, dessen ursprüngliche Onleinversion, aus der ich hier zitiere, nach verschiedenen Redigierungen später komplett gegen den jetzt dort zu lesenden Text ausgetauscht wurde: „Die Geschichte von Landschaften, als Ergebnis gesellschaftlicher und kultureller Transformationsprozesse der Moderne zwischen regionalen und globalen Interessen, wird auch in Dresden aktiviert: So entstehen zum einen künstlerische Arbeiten und Projekte, die basierend auf Recherche und konkreter Arbeit vor Ort ein neues Verständnis aktueller Kulturlandschaften in der Region herstellen – zwischen historischem Uranabbau und Tagebau in der DDR wie auch aktuellen ‚Renaturierungen’ und ‚Rekultivierungen’.“
Damit ist der theoretische Bogen von Nordschweden in die Lausitz geschlagen. Dort die Schönheit der ursprünglichen Landschaft. Hier die ursprüngliche Schönheit der seit 7000 Jahren durch Menschen geformten Kulturlandschaft. Dort wie hier die „transformatorische Zerstörung durch Verwertung“ der Landschaft. Dort die nomadisch als Rentierzüchter lebenden Ureinwohner, die Sami. Hier die sesshaften, bäuerlichen Ureinwohner, die Sorben. Demokratie und Partizipation ist zwar dort wie hier gegeben. Aber dort der Konsens zwischen Bewohnern und Minengesellschaft, hier der Dissens bzgl. der Dorfabbaggerung.
Nicht nur hatten die Sorben nie unter einer jahrhundertelangen kolonialen und rassistischen Politik, wie sie die Schweden den Sami angedeihen ließen, zu leiden. Auch sonst hinkt der Vergleich zwischen beiden Volksgruppen. Er wurde jedoch nonchalant unter den Tisch fallen gelassen. Denn das ganze war nur ein Vorwand. Der Rekurs auf unterdrückte Ureinwohner war verlogen. Eine einzige Nebelkerze. Es ging um Antikapitalismus. Die Ausstellung war eine offene Anklage gegen kapitalistischen Naturverbrauch und entfremdende Produktionsverhältnisse. Gespeist vom Geist des deutschen Idealismus zwischen Romantik und Lebensreform, wird über die Moderne lamentiert, die man, da hier negativ konnotiert, mit Kapitalismus gleichsetzt.

Konkret ging es gegen die Braunkohlenutzung in der Lausitz. Diese wird seit 25 Jahren vom schwedischen Konzern Vattenfall besorgt. Braunkohlenutzung ist seit Jahren d a s Wahlkampfthema der sächsischen Bündis90/Grünen. Wo die CDU den Grünen mit dem Atomausstieg den Schneid abgekauft hatte, versucht die SPD gleiches mit der Braunkohlennutzung. Erst unmittelbar nach Ausstellungsende waren die Lausitzer Proteste gegen die SPD-Pläne ein Medienthema, aber vor Ort ging es schon länger hin und her. Das KHDD jedenfalls lieferte mit dieser Ausstellung seinen Teil zur Volkserziehung im Sinne von Partei- und Staatsführung.

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Römisch Drei

Das KHDD als Propagandist rot/grüner Umweltpolitik hätte ich so nicht erwartet. Was mich entsetzte, war dieses Manipulative. Ich habe ausreichend Erfahrung mit dem Besuch von Kunstausstellungen und damit eventuell zusammenhängenden politischen Zielen. Aber etwas vergleichbares sah ich bisher äußerst selten.
Die ganze Machart der Ausstellung war durchtrieben. Man hatte von Anfang an das Gefühl, bei einem Marktschreier mit qualitativ besonders schlechter Ware zu sein. Der, wohlwissend um seinen Schund, solange irgendwas drauflegt und nachbuttert, bis die Tüte übervoll ist, die du dann nach Hause schleppen sollst. Es schrie: Bodenschätze ausbeuten ist schlecht! Kohle ist böse! Industrie ist schlecht! Diese Moderne ist schlecht! Die Menschen entfremden sich! Kapitalismus ist schlecht! Nur naturbelassene Ureinwohner sind gut! Kohle ist ganz böse! Es schrie via Kunst, die derart unkünstlerisch ist, dass es nicht schwerfallen dürfte, noch zwei weitere Ausstellungen mit denselben Exponaten zu bestreiten. Es müsste einfach nur der Kunsterklärzettel geändert werden.
Der Behauptismus wurde bekanntermaßen mit Beginn des 21.Jhd. als neuer –ismus in die Kunst eingeführt. Behauptismus ist Kunst, die etwas behauptet, ohne es zu zeigen. Und Kunst, die behauptet, Kunst zu sein. Und Kunst, die behauptet Kunst zu sein, weil sie etwas behauptet. Hier sah ich überall behauptistische Kunst.

Die Ausstellung in ihrer Augenwischerei war ein Mischmasch. Inkongruent, sprunghaft, zwanghaft versucht, die eigenen Prämissen zu beweisen. Neben den Werken aus Kiruna gab es offizielle DDR–Kunst zum Thema DDR–Tagebaue und es gab Kunst zu Tagebaufolgelandschaften auf dem ehemaligen Gebiet der DDR. Letztere Kunstwerke sind komplett nach 1990 entstanden. Dies in einer antikapitalistischen Ausstellung zu zeigen, zeugt von Idiotie. Aber da die Kuratoren sich an deutscher Romantik grün und rot besoffen hatten, war es denen egal. Außerdem hatten sie einen Parteiauftrag zu erfüllen.
Deshalb lief neben Gemälden von Gerda Lepke und Barbara Raetsch ein Dokumentarfilm über den großen Streik 1970 in Kiruna und es hingen klassenkämpferische Gemälde zum Streik gegenüber. Was hat das wohl mit der eingangs erwähnten Landschaft in der Moderne zu tun? Nichts. Aber es hat was mit Antikapitalismus zu tun.

Besonders unangenehm fand ich den Exotismus in der Thematisierung der Ureinwohner. Die Sami kamen nur als fischtrocknende Jurtenschnitzer vor und die Sorben nur als fest mit der Scholle verwurzelte Trachtenpuppen.
Ich stolperte über eine optisch ganz nette Arbeit zum menschlichen Eingriff in den Plauenschen Grund bei Dresden. Warum war die hier? Das hatte zwei einfache Gründe. Dieses Tal war seinerzeit eine Romantiker–Landschaft erster Güte und erst in der Zeit des Frühkapitalismus wurde es erschlossen. Außerdem brauchte die verantwortlich zeichnende Künstlerinnengruppe wieder einen Eintrag in ihr Ausstellungsverzeichnis.

Die meisten Exponate des »LAKOMA-Archiv der Lausitz« wurden im Kassenbereich zusammengedrängt und damit auf den ersten Blick vermeintlich verschwendet. Dies wurde extra so arrangiert, damit willige Leute nicht jedes mal Eintritt zahlen mussten, wollten sie sich die prominent platzierten, stundenlangen Videodokumentationen über die „Zerstörung der Lausitz“ und „böses Vattenfall“ ansehen. Dafür brauchte man neben jeder Menge Sitzfleisch echtes Durchhaltevermögen.

Römisch Vier

Was nicht vorkam, waren die positiven Ergebnisse dieser Landschaftstransformationen. Es wurde nicht eingegangen auf die Früchte dieser Arbeit wie warme Wohnungen; Wassergrundstücke an den renaturierten Tagebaurestlöchern; Häuser, gemacht aus den Steinen des Plauenschen Grunds; individueller Wohlstand durch Arbeit; staatlicher Wohlstand durch Steuern oder gar Volvos aus Schwedenstahl.
Das einzige, was man für ein Produkt der Eisenerzmine in Kiruna hätte nehmen können, war ein auf einem alten Foto abgebildetes, gekentertes Kanonenboot. Typisch! So sehen sie aus, die Ausstellungen der deutschen Intelligentzija, deren Geld aus der Steckdose kommt.
Apropos Steckdose: Windräder kamen selbstredend nicht vor. Aber diese spezielle transformatorische Zerstörung von Landschaft ist ja  etwas  Gutes.

Zum Schluss noch eine lustige Sache. Genaugenommen war sie insgesamt ein Witz, die behauptistische Arbeit von Grit Ruhland. Sie drehte sich um Uranabbau in der Gegend von Ronneburg. Im Begleitheft steht dazu: „Die massiven Eingriffe in die Beschaffenheit der Landschaft zeigen sich oft nur subtil, in einer bestimmten Vegetation, in einem verstärkten Ausschlag des Geigerzählers…“ Um die Subtilität des (sozialistischen) Eingriffs zu sehen bitte klicken, et voilà: Die Titten von Ronneburg 
In den letzten zwanzig Jahren hat dann die verfluchte kapitalistische Moderne diese Landschaft für eine neue ausbeuterische und entfremdende Nutzung vorbereitet, die sie beschönigend Renaturierung nennt. So sieht es heute da aus.

Man könnte das KHDD-typische Schludern für diese schlimme, parteipolitische Ausstellung verantwortlich machen. Wenn man allerdings weiß, dass das Kunsthaus Dresden in Wahrheit das „An-Institut für Ausstellungstheorie und -praxis an der HfBK Dresden“ ist, dann wundert man sich nicht über die bewusste Irreführung des Publikums. Das war eine Versuchsanordnung. Stimmt’s?

Upcycling-Kunstausstellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 86

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:
1. Schritt: Nimm eine alte Bude.
2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Schritt: Sammle ausgemusterte Gesangmikrofone in schwarz. Bündel sie zu Trauben. Installier im Raum ein Gestell, welches an ein Weinspalier erinnert. Flechte aus alten Kabeln etwas wie Rebstöcke und häng die Mikrofontrauben hinein. Blattwerk ist fakultativ. Eventuell wären dafür Notenblätter oder Liedtexte angeraten. Die sollten dann aber mit altem Kaffeesatz eingefärbt sein.
4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.
5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Praxisbeispiele Ostrale 2014 C) reine Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

Der dritte und letzte Teil der Praxistipps der vorjährigen Ostrale. Ich bin schon gespannt, welche Tipps bei der diesjährigen herausspringen.

C7) Eine rote, wandgroße Fläche ähnlich wie in A4 beschrieben. Darauf sind in Reih und Glied weiße Gipsteile angeordnet. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die ausgegossenen Verpackungen von geschnitten Käse und Wurst. Ja, genau diese Schalen, die ihr in eurem Kühlschrank habt. Diese gipsernen Verpackungsinnenvolumen wurden nun angeordnet, ohne das eine innere Ordnung erkennbar gewesen wäre. Nicht mal bei Leuten, die ihre Kühlschranktür mit Bananenstickern vollkleben, dürfte diese Art Küchendekoration auf Gegenliebe stoßen. Und als Kunstwerk ist es selbst für Ostraleverhältnisse ein künstlerischer Tiefpunkt, auch wenn es ironisch gemeint gewesen wäre.

Ratschlag: Finger weg ohne stringente Grundidee! Mit Idee gehen auch ausgegossene Jogurt-Becher oder Kaffekapseln.

 

C8) »Ich habe hier irgendwoher 30 messingne Vorhängeschlösser. Könnte man da etwas draus machen? Mal sehen! Vielleicht einen Kreis? Hmm. Da lass ich am besten den Bügel des ersten Schlosses im Loch des zweiten Schloss einrasten. Das könnte klappen. Nun weiter, bis der Bügel des letzten Schlosses im ersten Schloss einrastet und der Kreis geschlossen ist. Geschafft! Wie nenne ich das am besten? Grübel,grübel! Ja, ich nenne es „Geschlossene Gesellschaft“! Das war doch einfach oder? Aber irgendwie sind die Schlösser zu klein. Da wird meine genialische Idee viel zu leicht übersehen. Ich hab’s! Ich bau die Schlösser nach. Richtig groß und unübersehbar.«

Ratschlag: Heutzutage, wo auch zum Kreis zusammengeschlossene Einkaufswagen als Kunst durchgehen, kann man solche Albernheiten offensichtlich gut bei Kuratoren unterbringen. Bevorratet euch mit solchen Werken wie Löffelstielfächer, LAN-Kabel-Netz, Fahrradschlosskette, Schuhkreis u.ä.

 

C9) Die vier Jahreszeiten waren und sind ein beliebtes Thema unter Künstlern. Bastel dir vier Videos aus Einzelbildern zusammen. Dazu nimmst du einen Selfistick. Halte ihn, natürlich mit Kamera, in Hüfthöhe und mach eine Fotoserie von dir, während du dich einmal um die eigene Achse drehst. Das sieht dann ungefähr wie ein Vine-Video aus, nur länger. Jetzt machst du das einmal im Sommer am Strand, im Herbst im Wald, im Frühjahr auf einer Wiese und im Winter im Schnee. Dann fehlen nur noch vier Monitore, die die vier Videosequenzen gleichzeitig abspielen und Kuratoren, die dir das abnehmen.

Ratschlag: Nach wie vor gilt, Videos unter 3 min gehen immer

 

C10) Ein Dreiminutenvideo namens „Bestätigung“. Der Titel ist in IAE übersetzt. Ein Mann im Anzug bekommt von Leuten außerhalb des Bildes auf die Schulter geklopft und den Kopf getätschelt. Man sieht also nur die Arme und Hände. Der Clou an der Sache ist, daß dieses Video so nicht existiert, sondern nur drei Fotos.

Ratschlag: Drei-Minuten-Videos gehen immer. Wenn ihr irgendwelche Probleme mit dem Video habt, extrahiert einfach einige Videostills der Schlüsselszenen.

 

 

 

kannweg

Treten Sie näher, meine Damen und Herren! Zehn Schuß – 5 Euro! Für acht abgeschossene Ziele gibt es den großen Altweltaffen in Plüsch als Preis!

Praxisbeispiele C1 – C6 hier

Praxisbeispiele Ostrale 2014 B) Politische Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

Hier bekommt ihr den zweiten Teil der Praxistipps der Ostrale 2014 nachgereicht. Die halbe Ostrale war voll mit dezidiert politischer Kunst. Es gibt trotzdem nur einen Ratschlag. Auf einige Werke ging ich schon in der Rezension der Ausstellung ein. Andere lasse ich unerwähnt, weil ich es für nicht hilfreich halte, wieder schlechte Videos oder Infografiken, die für Kunst ausgegeben werden oder Arbeiten, die mangels Substanz bestenfalls Bühnenbilder sind, hier anzuführen. Das bringt euch ja nicht weiter. Und für die akustischen Kunstwerke hatte ich am Ende vom Tag schlicht keine Zeit zur Sichtung.

B4) 2014 kündigte sich die heutige Welle der Asylbewerber schon an. Um sich solidarisch mit diesen Menschen zu zeigen, fotografierte eine Künstlerin Leute, während diese von einem Stuhl sprangen. Ein Foto in der sich diese Leute quasi im freien Fall befinden war ihre Vorstellung davon, wie man ein heimat- oder bodenloses Gefühl visualisieren könnte. Da ihr schwante, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist, übertrug sie diese Fotos 1:1 in Ölgemälde. Ausstellungsbesucher waren ausdrücklich aufgefordert, sich solidarisch fotografieren zu lassen.

An der Wand hing ein fertiges und ein halbfertiges Ölbild, sowie mehrere Fotografien von Besuchern der Eröffnungsfeier „im freien Fall“. In der Projektbeschreibung versprach die Künstlerin, vor Ort die Ölbilder zu malen und auszustellen. Leider ward sie bald nach der Eröffnung nicht mehr gesehen. Das ergab eine Nachfrage beim Aufsichtspersonal.

Ratschlag: Schon 2014 war vom Stuhl springen als Metapher für Flüchtlingsbefindlichkeiten seltsam naiv. Das Angebot, jeden der will, während der Ausstellungsdauer zu fotografieren und dieses Bild in Öl zu übertragen, ist ziemlich naiv. Wollt ihr so ein Projekt machen, muss euch klar sein, dass es auf einen 9to5-Job hinausläuft. Auch sollte die Finanzierung sowie Kost und Logis vorher geklärt sein. Ich rate zur Beschränkung. Entweder ihr macht nur Fotos von Stuhlspringern oder ein Foto und ein Ölbild.

 

Original Fotos eines Ostrale-Ölgemäldes, nicht von obiger Künstlerin. Religiöse oder politische Kunst? Egal, mir gefällt es!

gottlenkt

Ratschläge B1 – B4

Praxisbeispiele Ostrale 2014 – A) Raumaustattung/Inneneinrichtung

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ostraleerprobt2

Liebe Ratsuchende,

Mir ist dieser Tage aufgefallen, dass ich euch die versprochenen Praxisbeispiele der Ostrale 2014 noch schuldig geblieben bin. Ich hole dies hiermit nach und beginne wieder mit Ideen für den Wohnraum:

A4) Eine Wand in weinrot, darauf ein weißer Engelsflügel aus glasfaserverstärktem Polyester, 1,5 Meter groß. Rings um den Flügel Kalligrafie. Ein Gedicht? Eigene Aphorismen? In jedem Fall unlesbar. Schrift als grafisches Wandelement. Davor ein Beistelltischen mit einer kopfähnlichen Plastik. Sowas kann man zwar auch aus dem gehobenen Einrichtungshaus bekommen, wenn es jedoch selbst produziert ist, ist es doch irgendwie befriedigender. Man macht bella figura und kann es Kunst nennen.

Ratschlag: Die passenden Duftkerzen nicht vergessen!

 

A5) Ein hüfthoher Stapel Tageszeitungen, aus denen Pilze wachsen, sind ein schöner Verweis auf den DIY-Gedanken der Kunst. Solche Pilzzuchtsets für Seitlinge wurden vorallem in den 1990ern vom Gartenversandhandel angeboten. In jener prä-Internetzeit gab sogar Anleitungen auf Papier, wie man aus Pilzzucht einen Lebensunterhalt macht.

Ratschlag: Kunstzucht ist derzeit lukrativer als Pilzzucht. Vor allem im Zeitalter holzfreien Papiers. So ein lebendes Kunstwerk ist eine nette Anekdote für den elterlichen Keller. Also dort, wo auch der Rest eurer frühen Kunstproduktion bis zu eurem Durchbruch aufbewahrt wird.

 

A6) Die Türöffnung ist umklebt mit mehreren Reihen A4-Papier. Die Blätter sind alle mit denselben Bildern bedruckt. Abwechselnd in schwarz-weiß und weiß-schwarz.

Ratschlag: Auf das Muster achten! Es muss zu den Gardinen passen.

 

A7) Kreisrunde MDF-Platten von 1,20 Metern Durchmesser sind mit Indigo und Bleu bestrichen. Yves Klein lässt grüßen.

Ratschlag: Versehen mit einer LED-Hintergrundbeleuchtung gut für Schlafzimmer geeignet.

 

A8) Nimm ein Drahtnetz mit nicht zu feinen Maschen. Schneide Fahrradschläuche in 20 bis 30 cm lange Stücke. Stecke diese Stücke in das Drahtnetz, so dass die Schlauchenden alle zu einer Seite zeigen. Dann hast du nicht nur ein ostraletaugliches Kunstwerk, sondern auch eine schallschluckende Wanddekoration.

Ratschlag: Sehr gut für heutige, sparsam eingerichtete Wohnungen ohne Gardinen geeignet.

 

A9) Ein Gestell stand im Außenbereich, in welches mit Schnüren relativ frei schwingend unterschiedliche Bleche und andere flache Gegenstände eingespannt hatte. Davor war ein Gartenschlauch mit einem Gardenia-Pistolengriff deponiert. Man nahm den Schlauch und konnte mit dem Wasserstrahl auf den Blechen Töne erzeugen.

Ratschlag: Das ist etwas für Gartenfreunde mit Kindern oder zur Ausgestaltung des Freibads.

 

tuamoretu

Hier könnte deine Duftkerze stehen!

 

Ratschläge A1 bis A3 hier

Katastrophenkunstausstellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 85

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:
1. Schritt: Nimm eine alte Bude.
2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Schritt: Nimm Bauschutt, Windbruch und eventuell ein Mopedwrack. Verteil alles auf dem gesamten Galerieboden. Von der Galeriedecke hängen aufgespannte Fallschirme, an denen wiederum Geigerzähler hängen. Lass diese ticken und schnarren, wie es das Publikum aus dem Fernsehen kennt. Vielleicht vermischt mit Grillenzirpen. Als besondere Attraktion empfehle ich einen starken Luftstrom durch ein Gebläse, der aber nur ab und an für 10 Sekunden durch das Kunstwerk bläst. In diesen Luftstrom kannst du in geringen Mengen fein zerstäubtes Wasser einsprühen. Wenn Feuchte vom Galeristen nicht gewünscht wird, tut es auch Geruch. Dann vor den Ventilator einfach einen Mülleimer mit fauligen Kartoffeln, Kraut und Fleisch stellen. Aber bitte nicht zu offensichtlich!
4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.
5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

post-Post Kunstausstellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 84

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Häng an die Wände Bilder im Stile On Kawaras. Aber die Datumsangaben und Statusmeldungen müssen aussehen wie jene bei Twitter, Fäsbuk, Wattsäpp etc. Schreib im Kunsterklärzettel irgendwelche Wortwolken von post-Internet-Kunst

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

keramische Kunstausstellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 83

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben. Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt; Nimm Fliesen und stapel sie, mal mit, mal ohne Karton, im Raum. Einige Stapel sollen bewusst wacklig sein, um zufällig umzustürzen. Lass diese Haufen dann so liegen. Die Fliesen kaufst du dir von Heimwerkern zusammen. Nicht nur im Internet findest du genügend Angebote übriggebliebener Fliesen. So erreichst du eine schöne Mischung an verschiedenen Fliesen auch in kleinen Mengen.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

 

Das war doch einfach, oder?

nichtvegane Kunstaustellungskunst – Ratschlag 82

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben. Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm Beutel aus Leder, sie können die Form der sogenannten Totbägs haben, und häng sie auf. Wahlweise kannst du auch eine Totbäg selbst herstellen. Dann aber gleich in vergrößertem Maßstab von mindestens dreifacher Größe. Nimm in dem Fall für die Henkel nicht zu dünnes Leder. Schmück sie eventuell mit Muschelschalen und Federn. Häng sie an die Galleriedecke. Füll sie halb mit Quark. Und obendrauf gib Kirschschelee mit ganzen Früchen. Halte Frischmilch parat, um das Objekt nach zwei Wochen neu zu befeuchten.

4. Schritt: Nenn das ganze „Die Frucht der guten Tat“ oder irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

 

Achtung: Fabrizier eigene Totbägs aus Jute und verkauf sie. Mördchendeising ist wichtig.

voll total süße Kunstausstellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 81

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.  Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3.Schritt: Pack einen Flachbildfernseher mehrlagig in durchsichtige Geschenkfolie inklusive einer dieser aufklebbaren, stark farbigen Schmuckschleifen. Brandschutz beachten! Es soll einer dieser modernen Fernseher sein, die auch Videodateien von USB-Sticks abspielen können. Der USB erspart dir Kabelsalat. Lass Katzenvideos von 3 Minuten Länge als Schleife abspielen. Dazu kannst du dann das richtige im Kunsterklärzettel schreiben oder auch nicht.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk ansich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

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