Ratschlag 95 – hohmdekor–Kunstausstellungkunst selbstgemacht

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Heute mal ein Ratschlag für alle unter Euch, die mit Farbe arbeiten. Ob Gott Gerhard, Halbgott Damien oder ihre Kollegen, sie alle konnten sich nicht zurückhalten, etwas als Kunst zu deklarieren, was ich für so ziemlich das Langweiligste halte, was in einer Galerie die Wände belegen kann. Ich rede von Farbtafeln.

Wenn ein Maler seine Farben auf Maluntergrund aufbringt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie diese getrocknet und bei Tageslicht wirken, dann ist das eine rein handwerkliche Tätigkeit, die durchaus sinnvoll sein kann. Dann noch die Beschriftung der jeweiligen Farbbehältnisse druntergeschrieben, damit man sie auch wiederfindet und gut ist. Daraus allerdings ein Werk zu machen, zeugt entweder von Chuzpe oder von Einfallslosigkeit. Ob eckige oder runde Flächen auf diesen Farbtafeln oder etwa „Bilder“ in Serie in A4-Format und gerahmt, mit jeweils einer Farbe angestrichen, ist egal. Leicht verdientes Geld lockt.

Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben. Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm eine Fertigleinwand und deine Auswahl an fertig gemischten Acrylfarben. Zähle durch, wieviele Farbflächen du benötigst und zeichne die Kästchen mit Zeichenkohle vor. Dann füllst du die Leinwand mit den Farben. Mach dir vorher Gedanken, wie es harmonisch aussehen könnte. (Vielleicht erinnerst du dich an deinen Kunstleistungskurs am Gymnasium. Dort habt ihr das schon mal mit Wasserfarbe gemacht.) Mit der Zeichenkohle schreibst du geheimnisvolle Kürzel unter die einzelnen Farbflächen. Im Kunsterklärzettel nimmst du Bezug auf eine der zahlreich vorliegenden Farbenlehren.

Willst du in einem off-space austellen, kaufst du dir in einem 1-€-Laden einen Block mit farbigem Karton und genau so viele rahmenlose Fotohalter, wie es verschiedene Farben in diesem Block gibt. Den Karton schneidest du aus und füllst damit diese Fotohalter.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Ratschlag 91 – skulpturale textile Kunstausstellungskunst selbstgemacht

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Diese Anleitung sollte exklusiv zuerst auf diesem Ratgeberblog erscheinen. Aber mittlerweile sah ich so viele dieser Kunstwerke, dass es mir inzwischen scheint, als wäre es der Notbehelf für Künstler, falls ungünstige Räume bespielt werden müssen. Deshalb veröffentliche ich diesen Tippp trotzdem und zwar ausdrücklich als „Zaubertrick“ für den Fall, irgendeine Wand schreit am Ende des Ausstellungsaufbaus noch nach einem Werk. Das Material kann man immer platzsparend im Werkzeugkoffer mitführen oder leicht besorgen.

 

Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.

Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3. Schritt: Nimm eine Stange von etwa 30 cm und ein Tuch aus weichfallendem Gewebe. Steck die Stange in die Wand, so dass sie herausragt. Drapier das Tuch gefällig und die Stange verbergend. Wichtig ist, dass es skulputral aussieht. Einfach ein Handtuch anhängen, ist zu wenig.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Praxisbeispiele Ostrale 2014 B) Politische Kunstausstellungskunst

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Hier bekommt ihr den zweiten Teil der Praxistipps der Ostrale 2014 nachgereicht. Die halbe Ostrale war voll mit dezidiert politischer Kunst. Es gibt trotzdem nur einen Ratschlag. Auf einige Werke ging ich schon in der Rezension der Ausstellung ein. Andere lasse ich unerwähnt, weil ich es für nicht hilfreich halte, wieder schlechte Videos oder Infografiken, die für Kunst ausgegeben werden oder Arbeiten, die mangels Substanz bestenfalls Bühnenbilder sind, hier anzuführen. Das bringt euch ja nicht weiter. Und für die akustischen Kunstwerke hatte ich am Ende vom Tag schlicht keine Zeit zur Sichtung.

B4) 2014 kündigte sich die heutige Welle der Asylbewerber schon an. Um sich solidarisch mit diesen Menschen zu zeigen, fotografierte eine Künstlerin Leute, während diese von einem Stuhl sprangen. Ein Foto in der sich diese Leute quasi im freien Fall befinden war ihre Vorstellung davon, wie man ein heimat- oder bodenloses Gefühl visualisieren könnte. Da ihr schwante, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist, übertrug sie diese Fotos 1:1 in Ölgemälde. Ausstellungsbesucher waren ausdrücklich aufgefordert, sich solidarisch fotografieren zu lassen.

An der Wand hing ein fertiges und ein halbfertiges Ölbild, sowie mehrere Fotografien von Besuchern der Eröffnungsfeier „im freien Fall“. In der Projektbeschreibung versprach die Künstlerin, vor Ort die Ölbilder zu malen und auszustellen. Leider ward sie bald nach der Eröffnung nicht mehr gesehen. Das ergab eine Nachfrage beim Aufsichtspersonal.

Ratschlag: Schon 2014 war vom Stuhl springen als Metapher für Flüchtlingsbefindlichkeiten seltsam naiv. Das Angebot, jeden der will, während der Ausstellungsdauer zu fotografieren und dieses Bild in Öl zu übertragen, ist ziemlich naiv. Wollt ihr so ein Projekt machen, muss euch klar sein, dass es auf einen 9to5-Job hinausläuft. Auch sollte die Finanzierung sowie Kost und Logis vorher geklärt sein. Ich rate zur Beschränkung. Entweder ihr macht nur Fotos von Stuhlspringern oder ein Foto und ein Ölbild.

 

Original Fotos eines Ostrale-Ölgemäldes, nicht von obiger Künstlerin. Religiöse oder politische Kunst? Egal, mir gefällt es!

gottlenkt

Ratschläge B1 – B4

Praxisbeispiele Ostrale 2014 – A) Raumaustattung/Inneneinrichtung

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Liebe Ratsuchende,

Mir ist dieser Tage aufgefallen, dass ich euch die versprochenen Praxisbeispiele der Ostrale 2014 noch schuldig geblieben bin. Ich hole dies hiermit nach und beginne wieder mit Ideen für den Wohnraum:

A4) Eine Wand in weinrot, darauf ein weißer Engelsflügel aus glasfaserverstärktem Polyester, 1,5 Meter groß. Rings um den Flügel Kalligrafie. Ein Gedicht? Eigene Aphorismen? In jedem Fall unlesbar. Schrift als grafisches Wandelement. Davor ein Beistelltischen mit einer kopfähnlichen Plastik. Sowas kann man zwar auch aus dem gehobenen Einrichtungshaus bekommen, wenn es jedoch selbst produziert ist, ist es doch irgendwie befriedigender. Man macht bella figura und kann es Kunst nennen.

Ratschlag: Die passenden Duftkerzen nicht vergessen!

 

A5) Ein hüfthoher Stapel Tageszeitungen, aus denen Pilze wachsen, sind ein schöner Verweis auf den DIY-Gedanken der Kunst. Solche Pilzzuchtsets für Seitlinge wurden vorallem in den 1990ern vom Gartenversandhandel angeboten. In jener prä-Internetzeit gab sogar Anleitungen auf Papier, wie man aus Pilzzucht einen Lebensunterhalt macht.

Ratschlag: Kunstzucht ist derzeit lukrativer als Pilzzucht. Vor allem im Zeitalter holzfreien Papiers. So ein lebendes Kunstwerk ist eine nette Anekdote für den elterlichen Keller. Also dort, wo auch der Rest eurer frühen Kunstproduktion bis zu eurem Durchbruch aufbewahrt wird.

 

A6) Die Türöffnung ist umklebt mit mehreren Reihen A4-Papier. Die Blätter sind alle mit denselben Bildern bedruckt. Abwechselnd in schwarz-weiß und weiß-schwarz.

Ratschlag: Auf das Muster achten! Es muss zu den Gardinen passen.

 

A7) Kreisrunde MDF-Platten von 1,20 Metern Durchmesser sind mit Indigo und Bleu bestrichen. Yves Klein lässt grüßen.

Ratschlag: Versehen mit einer LED-Hintergrundbeleuchtung gut für Schlafzimmer geeignet.

 

A8) Nimm ein Drahtnetz mit nicht zu feinen Maschen. Schneide Fahrradschläuche in 20 bis 30 cm lange Stücke. Stecke diese Stücke in das Drahtnetz, so dass die Schlauchenden alle zu einer Seite zeigen. Dann hast du nicht nur ein ostraletaugliches Kunstwerk, sondern auch eine schallschluckende Wanddekoration.

Ratschlag: Sehr gut für heutige, sparsam eingerichtete Wohnungen ohne Gardinen geeignet.

 

A9) Ein Gestell stand im Außenbereich, in welches mit Schnüren relativ frei schwingend unterschiedliche Bleche und andere flache Gegenstände eingespannt hatte. Davor war ein Gartenschlauch mit einem Gardenia-Pistolengriff deponiert. Man nahm den Schlauch und konnte mit dem Wasserstrahl auf den Blechen Töne erzeugen.

Ratschlag: Das ist etwas für Gartenfreunde mit Kindern oder zur Ausgestaltung des Freibads.

 

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Hier könnte deine Duftkerze stehen!

 

Ratschläge A1 bis A3 hier

Dresden Gällerie Gaid – von größter Wichtigkeit

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Liebe Ratsuchende!

Letztens fiel mir ein Faltblatt in die Hände, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Es ist großartig!

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(klick aufs Bild)

 

Der Künstler Jonas Lewek sei hiermit lobend erwähnt. Das Faltblatt trifft voll meinen Humor. Ich hoffe, ihr könnt auch drüber lachen. Und als Kunst genommen ist es diese Arbeit wert, in diesem Blog erwähnt zu werden.

Nachtrag: Kein Wunder, daß Lewek so etwas Tolles schuf. Er war Meisterschüler bei Prof. Bosslet. Der Eberhard war auch schon Thema in diesm Blog. Ihr erinnert euch vielleicht an meinen Beitrag „Dieses Blog wirkt 1“ von vor zwei Jahren. Bosslet ist der, der die auf leeren Supermarktparkplätzen zu einem Kreis zusammengekoppelten Einkaufswagen zur Kunst erklärt hat.

Vorsicht mit Kunst im öffentlichen Raum!

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Liebe Ratsuchende!

Guerilla-Aktionen mit Kunst im öffentlichen Raum sind schön und gut. Sie sollten aber harmlos daherkommen oder so angelegt sein, daß man nicht auf euch als Urheber kommt. Polizei- und Feuerwehreinsätze und Sperrungen von Bahnhöfen oder Brücken etc.  wird regelmäßig teuer für die Verursacher, so sie denn gefunden werden.
Ich warne aus aktuellem Anlass. Gestern gab es einen Polizeieinsatz am Dresdner Hauptbahnhof wegen dieser Installation mit dem Titel „I’M NOT HERE“:

Wiener Platz Kunst
Sie hat die schwärmerische Frühlingssehnsucht der Romantiker, die gerade in und um Dresden ihre Treffpunkte hatten, ins Hier und Heute übersetzt, nicht ohne auf die Entpersonalisierung der Produktionsverhältnisse in heutiger Zeit hinzuweisen, wie es schon die Romantiker taten. Außerdem ist das Werk eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen der heteronormativen Gesellschaft, die dringend des Aufbrechens durch Gender Mainstreaming bedarf, um Männer in die sozialen Pflichten einer Haushaltung einzubinden. Es ist eine einzige Anklage gegen abwesende Väter, die nach der Hit-and-Run-Methode Frauen schwängern und sich dann aller Verantwortung entziehen. Diese Intervention im öffentlichen Raum thematisiert die gerade in Dresden kontrovers diskutierte Refugee-Problematik und weist darauf hin, das wir alle Flüchtlinge sind, fast überall.

Weitere Interpretationen dürft ihr gern im Kommentarbereich hinterlassen.

Herr Forsythe wieder – Choreographisches Objekt

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Der hier im Blog schon Thema gewesene nun-Ex-Choreograf und nur-noch-Künstler William Forsythe hat wieder zugeschlagen. Nach weißen, an sensorgesteuerten elektromotorgetriebenen Winden hängenden Luftballongs im Festspielhaus Dresden und nach elektromtorgetriebenen Pendeln in Braitn hat er wieder zugeschlagen. Diesmal im Dresdner Lipsiusbau. Zu sehen sind zwei Industrieroboter, die schwarze Fahnen schwenken. Deshalb heißt dieses choreografisches Objekt auch „bläkk flägg“

2001 sah ich im Festspielhaus Hellerau solche Industrieroboter, wie sie mit Tänzern via moschnkäptschur softwär interagierten. robotlab hieß die Truppe und trat im Rahmen der cynetart auf. Das hat mir damals sehr gefallen. Daß es fast 15 Jahre dauert, bis diese Grundidee wieder aufgegriffen wird, hätte ich nicht gedacht. Auf die Interaktion mit Tänzern wurde heuer leider verzichtet.

Aber warum ich diese Ausstellung überhaupt erwähne ist ein Video, welches etwas versteckt im ersten Stock gezeigt wurde.
Liebe Ratsuchende, festhalten! Jetzt kommts:

1.Nehmt eine Schüssel aus Klarglas.
2. Füllt die Schüssel mit Wasser.
3. Gebt schwimmfähige Objekte (hier Erdbeeren) in dieses Wasser. Lass von oben einen Wasserstrahl in die Schüssel, so daß die schwimmfähigen Objekte (hier Erdbeeren) durcheinandergewirbelt werden.
4. Filmt das ganze. Wie ihr das Video nennt ist egal, aber schreibt im Kunsterklärzettel auf jeden Fall sowas wie:„Die Tatsache, dass man eindeutig Muster erkennen kann und die Erwartung des Betrachters eine tiefere Erkenntnis der Abläufe zu erlangen, sind wie eine leicht absurde Demonstration über die Freuden intuitiven choreografischen Verstehens.“ (William Forsythe)

Das ist definitiv einer Erwähnung in diesem Blog würdig. Ich bin begeistert! So muß das sein. Ab sofort werde ich euch auch Tipps für Kunstwerke geben, die sich von kindlichen Welterkundungen inspirieren lassen. Was haben wir als Kind nicht alles in Erwartung einer tieferen Erkenntnis beobachtet! Teig, der vom Löffel tropft; schmelzende Eiswürfel in Cola; Vanillesoße auf Götterspeise; Zucker und Zimt auf heißem Grießbrei; Schnee, der auf Tannen fällt und und und …

Das Besondere an dem Video ist sein Format. Es ist rund. Also nicht wirklich rund, sondern mit einer Maske versehen, so daß man nur die runde Schüssel und den Wasserstrahl sieht. Alles andere ist hinter Schwärze verborgen.
Originalfoto:

 

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Eine gute Idee. Nehmt nächsten Sommer unbedingt eine Videokamera mit, wenn ihr die Verwandschaft zur Erntezeit im Schrebergarten besucht.

Praxisbeispiele Ostrale C) reine Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

C1) Ein Stop-Motion-Video heißt „Achillesferse“. Eine nackte Frau beklebt sich auf der Schauseite ihres Körpers nach und nach von unten bis oben mit Pflaster. Am Ende, wenn es kein Stück blanke Haut mehr zu sehen gibt, knickt sie im Knöchel ein und fällt zu Boden.
Ratschlag: Dieses Video fällt in dieselbe Rubrik wie die Videos „Worthalten“ (eine Nackte hält die Holzbuchstaben W, O, R und T mit ausgestrecktem Armen solange bis die Muskeln versagen) und „Wunder Punkt“ (ein Nackter drückt sich eine brennende Zigarette auf der Haut aus und zeigt danach die Stelle in die Kamera, während er mit dem Finger drauf drückt). Verfilmte Sprichwörter unter 3 Minuten Laufzeit gehen immer.

C2) Ein Video zeigt abwechselnd eine Frau und einen Mann, die davon reden, wie sie von ihren jeweiligen Partnern verlassen wurden. Handwerklich gut gemacht, blieb mir dennoch unklar, was es in der Ausstellung zu suchen hatte. Vielleicht aus Gendergründen? Oder wegen der daneben stehenden, begehbaren, mit beweglichen Labyrinthwänden ausgestatteten Box namens „Beziehungskiste“? Sei´s drum. Ihr könnt das auch!
Ratschlag: Filmt eine Frau, die davon redet, wie sie ihrem Hund verließ und einen Mann, der davon redet, wie er von seiner Katze verlassen wurde. Es kommt dann auf den Kunsterklärzettel an, wie ihr das verkaufst.

C3) Eine ganze Wand ist mit Bildern von Händen dekoriert. Überwiegend Fotos und überwiegend Computerausdrucke. Alles in verschiedensten Formaten und bunt zusammengewürfelt. Ein Zusammenhang wird durch verschiedene schwarze Zwirnsfäden behauptet, die zwischen den Nägeln, die die Ausdrucke an der Wand halten, gespannt wurden.
Ratschlag: Eine Paraphrase zu Gerhardt Richters „Atlas“ zeugt von Mut. Als Kunstwerk solltet ihr so eine Materialsammlung den Kuratoren nur unterjubeln, wenn diese unbedingt noch eine leere Wand füllen müssen.

C4) Sieben durchsichtige, quadratische Tupperdosen hängen in einer Reihe an der Wand. Jede Dose hängt vor einem anders pastellfarbenen Hintergrund. Jede Dose ist identisch gefüllt. Zwischen farbloser Klarsichtfolie befindet sich ein Arm und ein Bein einer Babypuppe als wären sie in Aspik eingelegt. Auf den Titel des Werkes kann die Künstlerin zu Recht stolz sein: „baby food“! Als ich dann noch im Kunsterklärzettel von Nahrungsmittelknappheit und Menschen als Ressource las, da wusste ich, daß hier jemand ist, der den Film „Soylent Green“ gründlich gesehen hat.
Ratschlag: Nehmt alte bekannte Filme und setzt die Hauptidee auf eure eigene Art um. Wie man sieht, klappt es dann mit der austellung .

C5) Eine wahre Fleißarbeit ist die einen Meter hohe Hochhaussiedlung ong miniatür. Die Häuser haben alle transparente Außenwände aus Crackerschalen. Alle Zimmer sind verschieden eingerichtet und aus Wellpappe gemacht. Personen waren keine zu sehen.
Art Brut heißt immer dann Autsaider Art, wenn der Künstler noch nie in der Klinik gesessen hat. Diese lässt grüßen bei dieser manisch-depressiv wirkenden Bastelarbeit aus Umverpackungen. In den 80er Jahren hätte sie unter dem Titel ›Nach der Neutronenbombe‹ bestimmt einen Friedenspreis auf der „Messe der Meister von Morgen“ erhalten.
Ratschlag: Solch eine Arbeit solltet ihr nur in Angriff nehmen, wenn ihr hauptsächlich in Ruhe rumbosseln wollt. Es muss unbedingt von vornherein die Transportfähigkeit beachtet werden. Eurer Künstlerkarriere nutzt es wenig, wenn das Werk nicht mehr durch die Tür passt. Ansonsten seid ihr thematisch frei. Ob durchsichtige Kreuzfahrtschiffe aus Gefrierbeuteln und Flaschenböden oder Landschaftsdioramen berühmter Gemälde aus Haferkekskarton und Zwiebelnetzen. Alles geht.

C6) Ein dunkler Raum mit schwarzen Wänden dient als Aufführungsort einer Videoinstallation. Zwölf Videoprojektoren ringsum im Raum werfen in unterschiedlichen Zeitabständen abstrakte Farbmuster an die Wand. Außerhalb eines Kunstausstellungskontextes solltet ihr auf Konsumenten illegaler Betäubungsmittel hoffen. Leider fehlten diesmal die Liegen.
Ratschlag: Solch eine Diskodeko ist ideal, wenn ihr Beziehungen zur DJ-Szene habt. Da könnt ihr als VJ immer kostenlos mit rein.

Es gab noch mehr zu sehen, aber vieles erreichte nicht mal die Qualität der ebenfalls ausgestellten Vordiplominstallationen einer Klasse von Bühnen– und Kostümbildstudenten der HfBK Dresden. Und vieles war wie manches, was ich hier in diesem, unserem Ratgeberblog schon veröffentlichte.
Für weitere Eindrücke sucht im Internet bitte selbst nach Fotos, auch wenn die einst so beliebten Bilderstrecken in diesem Jahr rar geworden sind.

So, das war das.
Meine Reihe mit Praxisbeispielen wird fortgesetzt. Eine wichtige Ausstellungsörtlichkeit in Dresden hat nach einer Renovierung neu eröffnet. Es handelt sich um das »An-Institut zur Erforschung von Ausstellungstheorie und –praxis an der HfBK Dresden unter Assoziation aller Lehrstühle der TU Dresden, die das Wort „Kunst“ im Namen führen«, gemeinhin kurz »Kunsthaus Dresden« genannt. Es stellen dort im Augenblick auch „Ostrale-Stars“ aus. Aber davon später mehr.

Praxisbeispiele Ostrale B) politische Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

B1) Ein Video von 85 Minuten Länge wird gleichzeitig auf 5 Monitoren gezeigt. Und zwar kapitelweise zeitversetzt, so daß man theoretisch nach 20 Minuten das ganze Video gesehen hat. Das Video zeigt die Schönheit des Männerbündischen und des Kampfes im Leben zweier strenggläubiger Religioten im Nahen Osten.
Ratschlag: Gut ist die Präsentation dieses langen Videos gelungen. A b e r: Nur die Kamera draufhalten, hinterher was zusammenfrickeln und hoffen, daß das Material einen zufälligen Zuschauer genauso beeindruckt wie euch, funktioniert nicht! Entweder ihr habt einen Plan für einen Dokumentarfilm, dann macht auch einen. Oder ihr versucht es mit den künstlerischen Techniken der Verkürzung und Abstraktion. So etwas Unausgegorenes wie das hier kriegt ihr nur ausgestellt, wenn die Kuratoren ihrerseits ein politisches Stähtment abgeben wollen.

B2) Die Wände eines kurzen fensterlosen Gangs wurden mit jeweils einem großformatigen Fotos der israelischen Grenzmauer beklebt. Diese Bildtapete hätte ich auch unter der Rubrik A)Raumausstattung/Inneneinrichtung einordnen können. Aber das Werk ist ein schönes Beispiel für Nichtkunst, welche nur durch seine Zuschreibung (hier propalästinensisch vs. „israelkritisch“) als Kunst funktioniert.
Da ich allerdings zu jenen gehöre, die weder „Spiegel“ noch „Freitag“ lesen, blieb bei mir der Grusel während des Durchschreitens des Ganges aus. Mal abwarten, ob solche Bilder von der nordkoreanischen Südgrenze auch ausgestellt werden.
Ratschlag: Wollt ihr eine politische Aussage machen, dann verlasst euch nicht darauf, daß die Leute schon wissen, was gemeint ist. Gerade bei politischen Kunstwerken kann das nach hinten losgehen. Mehrdeutigkeiten innerhalb eines engen Korsetts sind OK. Aber Uneindeutigkeit kann euch die Reputation kosten.
Übrigens hat der Künstler hat am letzten Ausstellungstag höchstpersönlich sein Werk decollagiert. Sprich, er hat es selbst wieder von der Wand gekratzt und das als eine Kunstaktion dargestellt. Das ist eine richtig gute Idee!

B3) Es gibt ein Geschicklichkeitsspiel, welches unter dem Namen „Jenga“ bekannt ist. Wenn zwei dieser Jenga-Türme nebeneinander gespielt werden und wenn dabei jeder Spielzug fotografiert wird bis hin zum Zusammenbruch der Türme und wenn dann aus den Fotos ein Stop-Motion-Video gemacht wird und wenn dann dieses Video ausgestellt wird, so daß wir es sehen können, dann sehen wir ein schönes Stück 9/11–Truther–Kunst. Da brauchte es gar nicht mehr die Eindeutigkeiten im Titel und im Kunsterklärzettel, um zu erkennen, worum es geht.
Ratschlag: Eine gute Idee muss, wie hier, gut umgesetzt werden. Gerade in den Bereichen Verschwörungstheorien, Esoterik und Gender wimmelt es von Ideen, derer sich Künstler_Innen annehmen können.

Politische Kunst ist wichtig. Ihr müsst euch, wenn ihr ausgestellt werden wollt, an der politisch korrekten Hauptkonsensmeinung der Ausstellungsmacher ausrichten. Denkt immer daran: Kein Kurator/Galerist wird seine Karriere für politisch falsche Kunst eines Neulings opfern.
Es liegt jetzt der Gedanke nahe, daß ihr euch von der Staatskunst der sozialistischen Bruderländer der DDR inspirieren lasst.

Praxisbeispiele Ostrale A) Raumausstattung/Inneneinrichtung

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ostraleerprobt2

Ein Wort zum Katalog der Ostrale ˙O13.
Denkt nicht, daß ihr in diesem Katalog eine Dokumentation der vorgefundenen Ausstellung findet.
Es ein tolles Buch voller Kunsterklärzettel und schicker Fotos. Die Fotos wurden nicht der Ausstellung gemacht. Sie lassen meist nicht erkennen, wie das jeweilige Kunstwerk in seiner Gesamtheit aussieht oder wie es hier dargeboten wurde.
Die Texte solltet ihr euch aufmerksam durchlesen. Sie stammen nicht von der verantwortlichen Werbeagentur, sondern von den Kuratoren. Das heißt, daß das die Sprache ist, die die Leute sprechen, die über eure Karriere mitentscheiden. Außerdem ist auch gleich alles in International Art English (IAE) übersetzt.
„Ein särr lährreiches Buch!“ wie der jüngst dahingeschiedene Literaturpapst sagen würde.

Aber jetzt zu den Praxisbeispielen. Ich habe mir eine Einteilung einfallen lassen, die sich nicht nach dem Medium richtet. Das soll euch etwas die Einordnung erleichtern.

A) Raumausstattung/Inneneinrichtung

A1)Ein Leuchtkasten von ca. 1 x 0,8 m, wobei die Abmessungen nicht wichtig sind, bekommt seine Leuchtfläche mit großen Glasmurmeln ausgefüllt. Es sind überwiegend klare Murmeln. Für Akzente sorgen wenige farbige Murmeln. Über diese Schicht aus Murmeln kommt zur Fixierung eine Glasplatte, gehalten von einem, den gesamten Leuchtkasten umfassenden schwarzen Rahmen.
Mehrere dieser Leuchtkästen geben ein schönes indirektes Licht. Deshalb hat die Künstlerin auch viele gemacht und ausgestellt.
Als Fernsehleuchten machen sich solche Lampen sehr gut. Und wenn man dann noch die Definition im Kunsterklärzettel von Kindheit usw. liest, hat man immer eine Entschuldigung, bis in die Puppen vor der Glotze zu hängen.
Ratschlag: Immer ein paar dieser Diffusorlampen bereithalten, um flexibel auch auf die dunkelsten Stunden einer Galerie reagieren zu können.

A2)Um eine Tür sind auf beiden Seiten der Mauer verschiedenfarbige, 2cm breite Klebebänder aus dem Bastelladen in spannungsreichem Mit– und Gegeneinander an die Wand geklebt. Ohne diese Raumintervention hätte ich womöglich den Durchgang in den nächsten Raum nicht gefunden.
Ratschlag: Ein Satz dieser Dekoklebrollen immer im Werkzeugkasten bereithalten. Wenn es keine Türumrahmung zum Umkleben gibt, kann man auch andere Freiflächen mit Linien dekorieren, ohne in Gefahr zu geraten, den Fußbodenbelag mit Farbe zu verklecksen.

A3)Niedervoltlampen als Seilsystem mit blauen kleinen Leuchten. Die Stränge sind in Wadenhöhe über die gesamte Raumbreite von 10×12 Metern gespannt. Ein schönes mildes blaues Licht fällt auf den Fußboden und manchmal gehen die Leuchten an und aus, wie wir es von einer „funkelnden“ Weihnachtsdekoration kennen.
In Wadenhöhe nicht zur Installation empfohlen, wenn man die Wohnung noch normal nutzen möchte, aber unter der Schlafzimmerdecke oder im Bad wäre das eine romantische Ergänzung.
Ratschlag: Nicht wirklich etwas für Einsteiger. Außerdem muss es passen.

Dieses Blog wirkt 1

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Notiz vom 4.7.2015:

Der Link im Originalartikel ging zu einer PDF-Datei auf der Webseite des cynal e.V.. Leider haben sich meine Hoffnungen auf einen klassischen Kunstblog aus Dresden auch hier nicht erfüllt. Zum 1.7.15 wurden die Maschinen abgestellt. Ruhe in Frieden, cynal.de!

Aber die Anleitung gibt es noch immer. Sie steht nach wie vor auf der Hohmpädsch des Künstlers, lesefreundlich in html und mit Originalfotos. Danke, Professor Bosslet!

 

Originalpostung:

Andere haben sich entschieden, ebenfalls eine Kunstanleitung zu veröffentlichen. Weiter so! „Hier klicken! Bitte ganz nach unten scrollen“
Wäre ich jetzt Teil der dresdner Kunstszene, müßte ich mich über die Trittbrettfahrerei des verbeamteten Kunstlehrers ärgern. Aber zum Glück bin ich das nicht. Ich begrüße ausdrücklich weitere Anleitungen für Euch, meine lieben Ratsuchenden. Außerdem bin ich ein bischen neidisch. Einkaufswagen in der Frühe auf dem noch leeren Supermarktpark– platz zum Kreis zusammenzuschließen ist definitiv ein Kunstprojekt, das diesem Blog würdig ist.
Man könnte noch vier rote Stumpenkerzen drauf verteilen. Aber nur, damit man so einen Einkaufswagenkreis nicht als Witz angetrunkerner Gymnasiasten auf dem Nachhauseweg verkennt.

Zum Aninstitut der Dresdner Kunsthochschule, genannt „Kunsthaus Dresden“ komme ich vielleicht später mal.