Bildschirmkalender für August 2016

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»Eure Armut kotzt mich an« meint der Künstler natürlich voll ironisch und post-irgendwie und post-irgendwas.

august 16

© cc-by-sa-3.0 Kurt Ernst

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Bildschirmkalender für Juli 2016

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„Glotzt nicht so romantisch!“ (rief Brecht)

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Ostrale 2015 – kuratierte Kunstmesse

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Liebe Ratsuchende,

Kurz vor Eröffnung der Ostrale 2016 am 1. Juli möchte ich noch die schon lange versprochene Rezension der Ostrale 2015 abliefern. Aus verschiedenen Gründen ist es nur eine Kurzrezension. Ich bitte um Nachsicht.

Diese Ostrale war eine erwachsene Ausstellung. Totalausfälle waren nicht zu verzeichnen. Sperrmüllsien, die sich unter dem Deckmantel des erweiterten Skulpturenbegriffs als Kunstwerke tarnten, waren diesmal ebenso abwesend wie unausgegorene Ideen, die auch noch handwerklich schlecht umgesetzt wurden. Kein Vergleich mit Ostralen früherer Jahre.

Ich hatte in meinem Vorbericht noch bedauert, dass in der Ankündigung die üblichen Übertreibungen fehlten. Das war eine Fehleinschätzung. Ich hatte an der falschen Stelle gesucht. Die Publikumsveräppelung bestand diesmal in der Ankündigung, als Sprungbrett für junge, nicht etablierte Künstler wirken zu wollen. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, alle teilnehmenden Künstler auf Jugend und Etabliertheit abzuklopfen, aber die, die ich schon kannte, waren weder jung noch nichtetabliert. Das mit dem Sprungbrett mag zutreffen. Zum ersten Mal sind mir viele rote Punkte aufgefallen. Ihr kennt ja diese „Verkauft“-Punkte, wie sie in Galerien an das Schildchen geklebt werden. Nun also auch bei der Ostrale. Warum nicht. Die Jury bestand aus fünf Personen, von denen drei Galeristen waren. Vielleicht lag es ja an ihnen, dass die Ostrale so einen aufgeräumten Eindruck machte. Sie war richtiggehend zugänglich. Eine Jury-Mitgliederin war die Dresdner Galeristin Nütt. Prompt wehte ein leichter Geruch von »Dresdner Kunstszene®« durch einen Ausstellungsraum. Auch war die selbsternannte »Dresdner Kreativwirtschaft®« angetreten, um der Ostrale unter die Arme zu greifen. Es gab zwei Ausgaben eines Kundenmagazins. Diese kostenlose Hochglanzzeitschrift a lá „Dein Bahnhof mobil“ war nett und fluffig, aber leider ohne Nährwert. Das Austellungsverzeichnis war völlig unbrauchbar.

rote punkte

Rote Punkte meint erfolgreiche Künstler dank rühriger Galleristen

Den Vergleich zwischen Ostrale und Kunsthaus bezüglich der Ausstellung von afrikanischer Kunst entschied die Ostrale für sich. Es wurde eine breite Auswahl von afrikanischen Künstlern gezeigt, die meinen Horizont erweiterten.

Dr. Bomboka

Afrikanische Zauberer haben Mobiltelefone fürs Geschäft

 

Zu Recht ausgezeichnet wurde ein 3D-Bild-Projektor-Dings eines polnischen Künstlers, welches Bilder aus Rauch fabrizierte. Ich hätte gern mehr dazu gewusst, aber das Teil war permanent dicht umlagert. Eine faszinierende Sache. Mir gefielen die Arbeiten polnischer Künstler generell gut.

Politische Kunst war auch wieder dabei.Die Werke eines geflüchteten Nordkoreaners waren drastisch direkt. Die einzige Reminiszenz an die Qualität früherer Ostralen war das Werk eines Modelleisenbahners. Es war ein dezidiert politisches Werk. Aber in seiner Reflexionsuntiefe und seinen tagespolitischen Bezügen war es schon im Juli 2015 überholt.

Diese Ostrale war nach meinem Geschmack. Ich habe mich sehr wohl gefühlt mit den ausgestellten Kunstwerken. Ich denke, das lag an der Qualität und nicht an einer eventuell beginnenden Altersmilde meinerseits. Ich werde früher oder später noch einige Ratschläge in separaten Beiträgen geben. Kommenden Freitag öffnet schon die Ostrale 2016. Es gibt viel zu tun. Auf denn!

PS: Hier noch drei lustige Bilder:

fliegendes Nashorn

lustiges Leuchtdia 1

fliegender Löwe

lustiges Leuchtdia 3

fliegende Giraffe

lustiges Leuchtdia 2

Vorbericht Ostrale 2015 – Händel Wiss Kehr

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Liebe Ratsuchende,

In einer Woche ist wieder soweit. Am Freitag, den 10.7.2015 öffnet die „drittgrößte jährliche Schau zeitgenössischer Kunst“ in Dresden.

Las man noch im vorigen Jahr auf der Startseite des Ostrale-Internetauftritts einen Einführungstext, der sich in seinem Katastrophenfetischismus mit jedem Heavy-Metal-Album messen konnte, so ist in diesem Jahr etwas zu lesen, was in seinem Minimalismus nur mit der schwächsten Scheibe der Band „Kraftwerk“ vergleichbar ist. Problemlos lassen sich die zwei Sätze hier wiedergeben:

„Maßlosigkeit und Verschwendung, Habgier und Ausbeutung beherrschen unseren Planeten und werden unweigerlich zu einer Zerstörung unserer Welt führen. HÄNDEL WISS KEHR lautet der Aufruf der OSTRALE´015!“

Irgendwie bin ich enttäuscht. Schwächelt die Ostrale-Chefin etwa? Früher war sie doch immer für verbale Kraftmeiereien gut. Jetzt stehen da nur dürre Worte wie aus einem Businessplan. Dass man eine marktunabhängige Plattform wäre und ein Sprungbrett für junge, nichtetablierte Künstler. Schön und gut.  Unbeantwortet bleibt die Frage, ob jung und nichtetabliert gleichzeitig zutreffen muß und was von beidem wichtiger ist, um Ostrale-Künstler werden zu können.

Auf den Unterseiten des Internetauftritts, zu den Ausstellungen selber wird es etwas deutlicher, auch wenn hier die Verve verloren gegangen ist. Es wird Bezug genommen auf das Sachbuch „Zehn Millionen“ von Stephen Emmott (ein alarmistischer „wir-werden-alle-störben“ Bestseller), auf oben genannte Todsünden und auf Hinscheiden und Vergängnis, welches beides unweigerlich alles und jeden ereilen wird. Das hat für mich einen ziemlich katholischen Zungenschlag. Ob das an dem polnischen Kurator liegt? Einerseits klingt es natürlich spannend. Wenn die Ausstellung auch nur zur Hälfte so depressiv ist wie der Text sich liest, könnte sie interessant sein. Andererseits hat es in der Ostrale-Geschichte noch nie eine direkte Bezugnahme der Werke auf das Ausstellungsmotto gegeben.

Wie schon im letzten Jahr angekündigt, gibt es dieses Jahr einen Schwerpunkt Afrika. Offensichtlich war man bei der Fördergeldakquise dermaßen erfolgreich, daß es gleich für drei Jahre Afrika bis 2017 reichen wird. Auch hier wird Bezug auf ein Sachbuch genommen. Dambisa Moyos „Dead Aid“ (ein antipaternalistisches, für freie Märkte und mehr Eigenverantwortung plädierendes Sachbuch). Davon wird wahrscheinlich nichts in der Ausstellung zu sehen sein, auf die ich schon gespannt bin. Afrikanische Gegenwartskunst ist mir, mit Ausnahme von Flughafenkunst, unbekannt. Ich bin auf den Vergleich gespannt. Denn zeitgleich macht das Kunsthaus Dresden ebenfalls eine Ausstellung mit Afrika. Es sieht so aus, als würden sich in meiner Stadt weiße, privilegierte Europäerinnen einen Wettkampf um die beste postkoloniale afrikanische Kunstausstellung liefern. Ich informiere euch, wer gewinnt. Vielleicht ist es sogar Afrika.

Dann gibt’s noch was mit Kunst am Bau Graffiti. Und es gibt was mit Essen aus Italien. Oder wars Belgien? Der Teil liest sich konfus, ist also ganz die alte Ostrale, wie wir sie kennen. Die Eröffnung kann jeder besuchen, der 7 Euro an der Abendkasse bezahlt. Normal kostet das Tagesticket wieder 14 und das 5 Tagesticket wieder 30 Euro.

 

Ich bleibe dran für Euch!