Bildschirmkalender für Juli 2016

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„Glotzt nicht so romantisch!“ (rief Brecht)

cc-by-sa-3.0 Kurt Ernst

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Bildschirmhintergrundbild für Februar 2016 mit Kalendarium

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Die Schreibblockade

in der Schreibtischlade

ist genauso nützlich

wie die Zielgerade

in dem Hamsterrade.

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Bildschirmhintergrundbild mit Kalendarium für Januar 2016

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Liebe Ratsuchende,

Ein Gesundes und Erfolgreiches Neues Jahr euch allen!

Der Jahresendverkauf in der Galerie Schürhaken hatte mich mehr als erwartet in Anspruch genommen. Deswegen war es hier im Blog so still. Aber jetzt kann ich wieder meine Ratschläge unters Volk bringen. Die Rezension zur Ostrale 2015 steht ebenfalls noch aus. Für die Ostrale 2016 hat dieser Tage die Bewerbungsphase begonnen. Also bewerbt euch auf der ostrale-Hohmpädsch. Ich drück euch die Daumen. Zur Einstimmung ein Foto von da dort.

Januar 2016 vorbei

Bild: cc-by-sa-3.0 Kurt Ernst

Praxisbeispiele Ostrale 2014 C) reine Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

Der dritte und letzte Teil der Praxistipps der vorjährigen Ostrale. Ich bin schon gespannt, welche Tipps bei der diesjährigen herausspringen.

C7) Eine rote, wandgroße Fläche ähnlich wie in A4 beschrieben. Darauf sind in Reih und Glied weiße Gipsteile angeordnet. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die ausgegossenen Verpackungen von geschnitten Käse und Wurst. Ja, genau diese Schalen, die ihr in eurem Kühlschrank habt. Diese gipsernen Verpackungsinnenvolumen wurden nun angeordnet, ohne das eine innere Ordnung erkennbar gewesen wäre. Nicht mal bei Leuten, die ihre Kühlschranktür mit Bananenstickern vollkleben, dürfte diese Art Küchendekoration auf Gegenliebe stoßen. Und als Kunstwerk ist es selbst für Ostraleverhältnisse ein künstlerischer Tiefpunkt, auch wenn es ironisch gemeint gewesen wäre.

Ratschlag: Finger weg ohne stringente Grundidee! Mit Idee gehen auch ausgegossene Jogurt-Becher oder Kaffekapseln.

 

C8) »Ich habe hier irgendwoher 30 messingne Vorhängeschlösser. Könnte man da etwas draus machen? Mal sehen! Vielleicht einen Kreis? Hmm. Da lass ich am besten den Bügel des ersten Schlosses im Loch des zweiten Schloss einrasten. Das könnte klappen. Nun weiter, bis der Bügel des letzten Schlosses im ersten Schloss einrastet und der Kreis geschlossen ist. Geschafft! Wie nenne ich das am besten? Grübel,grübel! Ja, ich nenne es „Geschlossene Gesellschaft“! Das war doch einfach oder? Aber irgendwie sind die Schlösser zu klein. Da wird meine genialische Idee viel zu leicht übersehen. Ich hab’s! Ich bau die Schlösser nach. Richtig groß und unübersehbar.«

Ratschlag: Heutzutage, wo auch zum Kreis zusammengeschlossene Einkaufswagen als Kunst durchgehen, kann man solche Albernheiten offensichtlich gut bei Kuratoren unterbringen. Bevorratet euch mit solchen Werken wie Löffelstielfächer, LAN-Kabel-Netz, Fahrradschlosskette, Schuhkreis u.ä.

 

C9) Die vier Jahreszeiten waren und sind ein beliebtes Thema unter Künstlern. Bastel dir vier Videos aus Einzelbildern zusammen. Dazu nimmst du einen Selfistick. Halte ihn, natürlich mit Kamera, in Hüfthöhe und mach eine Fotoserie von dir, während du dich einmal um die eigene Achse drehst. Das sieht dann ungefähr wie ein Vine-Video aus, nur länger. Jetzt machst du das einmal im Sommer am Strand, im Herbst im Wald, im Frühjahr auf einer Wiese und im Winter im Schnee. Dann fehlen nur noch vier Monitore, die die vier Videosequenzen gleichzeitig abspielen und Kuratoren, die dir das abnehmen.

Ratschlag: Nach wie vor gilt, Videos unter 3 min gehen immer

 

C10) Ein Dreiminutenvideo namens „Bestätigung“. Der Titel ist in IAE übersetzt. Ein Mann im Anzug bekommt von Leuten außerhalb des Bildes auf die Schulter geklopft und den Kopf getätschelt. Man sieht also nur die Arme und Hände. Der Clou an der Sache ist, daß dieses Video so nicht existiert, sondern nur drei Fotos.

Ratschlag: Drei-Minuten-Videos gehen immer. Wenn ihr irgendwelche Probleme mit dem Video habt, extrahiert einfach einige Videostills der Schlüsselszenen.

 

 

 

kannweg

Treten Sie näher, meine Damen und Herren! Zehn Schuß – 5 Euro! Für acht abgeschossene Ziele gibt es den großen Altweltaffen in Plüsch als Preis!

Praxisbeispiele C1 – C6 hier

Praxisbeispiele Ostrale 2014 B) Politische Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

Hier bekommt ihr den zweiten Teil der Praxistipps der Ostrale 2014 nachgereicht. Die halbe Ostrale war voll mit dezidiert politischer Kunst. Es gibt trotzdem nur einen Ratschlag. Auf einige Werke ging ich schon in der Rezension der Ausstellung ein. Andere lasse ich unerwähnt, weil ich es für nicht hilfreich halte, wieder schlechte Videos oder Infografiken, die für Kunst ausgegeben werden oder Arbeiten, die mangels Substanz bestenfalls Bühnenbilder sind, hier anzuführen. Das bringt euch ja nicht weiter. Und für die akustischen Kunstwerke hatte ich am Ende vom Tag schlicht keine Zeit zur Sichtung.

B4) 2014 kündigte sich die heutige Welle der Asylbewerber schon an. Um sich solidarisch mit diesen Menschen zu zeigen, fotografierte eine Künstlerin Leute, während diese von einem Stuhl sprangen. Ein Foto in der sich diese Leute quasi im freien Fall befinden war ihre Vorstellung davon, wie man ein heimat- oder bodenloses Gefühl visualisieren könnte. Da ihr schwante, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist, übertrug sie diese Fotos 1:1 in Ölgemälde. Ausstellungsbesucher waren ausdrücklich aufgefordert, sich solidarisch fotografieren zu lassen.

An der Wand hing ein fertiges und ein halbfertiges Ölbild, sowie mehrere Fotografien von Besuchern der Eröffnungsfeier „im freien Fall“. In der Projektbeschreibung versprach die Künstlerin, vor Ort die Ölbilder zu malen und auszustellen. Leider ward sie bald nach der Eröffnung nicht mehr gesehen. Das ergab eine Nachfrage beim Aufsichtspersonal.

Ratschlag: Schon 2014 war vom Stuhl springen als Metapher für Flüchtlingsbefindlichkeiten seltsam naiv. Das Angebot, jeden der will, während der Ausstellungsdauer zu fotografieren und dieses Bild in Öl zu übertragen, ist ziemlich naiv. Wollt ihr so ein Projekt machen, muss euch klar sein, dass es auf einen 9to5-Job hinausläuft. Auch sollte die Finanzierung sowie Kost und Logis vorher geklärt sein. Ich rate zur Beschränkung. Entweder ihr macht nur Fotos von Stuhlspringern oder ein Foto und ein Ölbild.

 

Original Fotos eines Ostrale-Ölgemäldes, nicht von obiger Künstlerin. Religiöse oder politische Kunst? Egal, mir gefällt es!

gottlenkt

Ratschläge B1 – B4

Praxisbeispiele Ostrale 2014 – A) Raumaustattung/Inneneinrichtung

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ostraleerprobt2

Liebe Ratsuchende,

Mir ist dieser Tage aufgefallen, dass ich euch die versprochenen Praxisbeispiele der Ostrale 2014 noch schuldig geblieben bin. Ich hole dies hiermit nach und beginne wieder mit Ideen für den Wohnraum:

A4) Eine Wand in weinrot, darauf ein weißer Engelsflügel aus glasfaserverstärktem Polyester, 1,5 Meter groß. Rings um den Flügel Kalligrafie. Ein Gedicht? Eigene Aphorismen? In jedem Fall unlesbar. Schrift als grafisches Wandelement. Davor ein Beistelltischen mit einer kopfähnlichen Plastik. Sowas kann man zwar auch aus dem gehobenen Einrichtungshaus bekommen, wenn es jedoch selbst produziert ist, ist es doch irgendwie befriedigender. Man macht bella figura und kann es Kunst nennen.

Ratschlag: Die passenden Duftkerzen nicht vergessen!

 

A5) Ein hüfthoher Stapel Tageszeitungen, aus denen Pilze wachsen, sind ein schöner Verweis auf den DIY-Gedanken der Kunst. Solche Pilzzuchtsets für Seitlinge wurden vorallem in den 1990ern vom Gartenversandhandel angeboten. In jener prä-Internetzeit gab sogar Anleitungen auf Papier, wie man aus Pilzzucht einen Lebensunterhalt macht.

Ratschlag: Kunstzucht ist derzeit lukrativer als Pilzzucht. Vor allem im Zeitalter holzfreien Papiers. So ein lebendes Kunstwerk ist eine nette Anekdote für den elterlichen Keller. Also dort, wo auch der Rest eurer frühen Kunstproduktion bis zu eurem Durchbruch aufbewahrt wird.

 

A6) Die Türöffnung ist umklebt mit mehreren Reihen A4-Papier. Die Blätter sind alle mit denselben Bildern bedruckt. Abwechselnd in schwarz-weiß und weiß-schwarz.

Ratschlag: Auf das Muster achten! Es muss zu den Gardinen passen.

 

A7) Kreisrunde MDF-Platten von 1,20 Metern Durchmesser sind mit Indigo und Bleu bestrichen. Yves Klein lässt grüßen.

Ratschlag: Versehen mit einer LED-Hintergrundbeleuchtung gut für Schlafzimmer geeignet.

 

A8) Nimm ein Drahtnetz mit nicht zu feinen Maschen. Schneide Fahrradschläuche in 20 bis 30 cm lange Stücke. Stecke diese Stücke in das Drahtnetz, so dass die Schlauchenden alle zu einer Seite zeigen. Dann hast du nicht nur ein ostraletaugliches Kunstwerk, sondern auch eine schallschluckende Wanddekoration.

Ratschlag: Sehr gut für heutige, sparsam eingerichtete Wohnungen ohne Gardinen geeignet.

 

A9) Ein Gestell stand im Außenbereich, in welches mit Schnüren relativ frei schwingend unterschiedliche Bleche und andere flache Gegenstände eingespannt hatte. Davor war ein Gartenschlauch mit einem Gardenia-Pistolengriff deponiert. Man nahm den Schlauch und konnte mit dem Wasserstrahl auf den Blechen Töne erzeugen.

Ratschlag: Das ist etwas für Gartenfreunde mit Kindern oder zur Ausgestaltung des Freibads.

 

tuamoretu

Hier könnte deine Duftkerze stehen!

 

Ratschläge A1 bis A3 hier

Praxisbeispiele Ostrale C) reine Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

C1) Ein Stop-Motion-Video heißt „Achillesferse“. Eine nackte Frau beklebt sich auf der Schauseite ihres Körpers nach und nach von unten bis oben mit Pflaster. Am Ende, wenn es kein Stück blanke Haut mehr zu sehen gibt, knickt sie im Knöchel ein und fällt zu Boden.
Ratschlag: Dieses Video fällt in dieselbe Rubrik wie die Videos „Worthalten“ (eine Nackte hält die Holzbuchstaben W, O, R und T mit ausgestrecktem Armen solange bis die Muskeln versagen) und „Wunder Punkt“ (ein Nackter drückt sich eine brennende Zigarette auf der Haut aus und zeigt danach die Stelle in die Kamera, während er mit dem Finger drauf drückt). Verfilmte Sprichwörter unter 3 Minuten Laufzeit gehen immer.

C2) Ein Video zeigt abwechselnd eine Frau und einen Mann, die davon reden, wie sie von ihren jeweiligen Partnern verlassen wurden. Handwerklich gut gemacht, blieb mir dennoch unklar, was es in der Ausstellung zu suchen hatte. Vielleicht aus Gendergründen? Oder wegen der daneben stehenden, begehbaren, mit beweglichen Labyrinthwänden ausgestatteten Box namens „Beziehungskiste“? Sei´s drum. Ihr könnt das auch!
Ratschlag: Filmt eine Frau, die davon redet, wie sie ihrem Hund verließ und einen Mann, der davon redet, wie er von seiner Katze verlassen wurde. Es kommt dann auf den Kunsterklärzettel an, wie ihr das verkaufst.

C3) Eine ganze Wand ist mit Bildern von Händen dekoriert. Überwiegend Fotos und überwiegend Computerausdrucke. Alles in verschiedensten Formaten und bunt zusammengewürfelt. Ein Zusammenhang wird durch verschiedene schwarze Zwirnsfäden behauptet, die zwischen den Nägeln, die die Ausdrucke an der Wand halten, gespannt wurden.
Ratschlag: Eine Paraphrase zu Gerhardt Richters „Atlas“ zeugt von Mut. Als Kunstwerk solltet ihr so eine Materialsammlung den Kuratoren nur unterjubeln, wenn diese unbedingt noch eine leere Wand füllen müssen.

C4) Sieben durchsichtige, quadratische Tupperdosen hängen in einer Reihe an der Wand. Jede Dose hängt vor einem anders pastellfarbenen Hintergrund. Jede Dose ist identisch gefüllt. Zwischen farbloser Klarsichtfolie befindet sich ein Arm und ein Bein einer Babypuppe als wären sie in Aspik eingelegt. Auf den Titel des Werkes kann die Künstlerin zu Recht stolz sein: „baby food“! Als ich dann noch im Kunsterklärzettel von Nahrungsmittelknappheit und Menschen als Ressource las, da wusste ich, daß hier jemand ist, der den Film „Soylent Green“ gründlich gesehen hat.
Ratschlag: Nehmt alte bekannte Filme und setzt die Hauptidee auf eure eigene Art um. Wie man sieht, klappt es dann mit der austellung .

C5) Eine wahre Fleißarbeit ist die einen Meter hohe Hochhaussiedlung ong miniatür. Die Häuser haben alle transparente Außenwände aus Crackerschalen. Alle Zimmer sind verschieden eingerichtet und aus Wellpappe gemacht. Personen waren keine zu sehen.
Art Brut heißt immer dann Autsaider Art, wenn der Künstler noch nie in der Klinik gesessen hat. Diese lässt grüßen bei dieser manisch-depressiv wirkenden Bastelarbeit aus Umverpackungen. In den 80er Jahren hätte sie unter dem Titel ›Nach der Neutronenbombe‹ bestimmt einen Friedenspreis auf der „Messe der Meister von Morgen“ erhalten.
Ratschlag: Solch eine Arbeit solltet ihr nur in Angriff nehmen, wenn ihr hauptsächlich in Ruhe rumbosseln wollt. Es muss unbedingt von vornherein die Transportfähigkeit beachtet werden. Eurer Künstlerkarriere nutzt es wenig, wenn das Werk nicht mehr durch die Tür passt. Ansonsten seid ihr thematisch frei. Ob durchsichtige Kreuzfahrtschiffe aus Gefrierbeuteln und Flaschenböden oder Landschaftsdioramen berühmter Gemälde aus Haferkekskarton und Zwiebelnetzen. Alles geht.

C6) Ein dunkler Raum mit schwarzen Wänden dient als Aufführungsort einer Videoinstallation. Zwölf Videoprojektoren ringsum im Raum werfen in unterschiedlichen Zeitabständen abstrakte Farbmuster an die Wand. Außerhalb eines Kunstausstellungskontextes solltet ihr auf Konsumenten illegaler Betäubungsmittel hoffen. Leider fehlten diesmal die Liegen.
Ratschlag: Solch eine Diskodeko ist ideal, wenn ihr Beziehungen zur DJ-Szene habt. Da könnt ihr als VJ immer kostenlos mit rein.

Es gab noch mehr zu sehen, aber vieles erreichte nicht mal die Qualität der ebenfalls ausgestellten Vordiplominstallationen einer Klasse von Bühnen– und Kostümbildstudenten der HfBK Dresden. Und vieles war wie manches, was ich hier in diesem, unserem Ratgeberblog schon veröffentlichte.
Für weitere Eindrücke sucht im Internet bitte selbst nach Fotos, auch wenn die einst so beliebten Bilderstrecken in diesem Jahr rar geworden sind.

So, das war das.
Meine Reihe mit Praxisbeispielen wird fortgesetzt. Eine wichtige Ausstellungsörtlichkeit in Dresden hat nach einer Renovierung neu eröffnet. Es handelt sich um das »An-Institut zur Erforschung von Ausstellungstheorie und –praxis an der HfBK Dresden unter Assoziation aller Lehrstühle der TU Dresden, die das Wort „Kunst“ im Namen führen«, gemeinhin kurz »Kunsthaus Dresden« genannt. Es stellen dort im Augenblick auch „Ostrale-Stars“ aus. Aber davon später mehr.

Praxisbeispiele Ostrale B) politische Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

B1) Ein Video von 85 Minuten Länge wird gleichzeitig auf 5 Monitoren gezeigt. Und zwar kapitelweise zeitversetzt, so daß man theoretisch nach 20 Minuten das ganze Video gesehen hat. Das Video zeigt die Schönheit des Männerbündischen und des Kampfes im Leben zweier strenggläubiger Religioten im Nahen Osten.
Ratschlag: Gut ist die Präsentation dieses langen Videos gelungen. A b e r: Nur die Kamera draufhalten, hinterher was zusammenfrickeln und hoffen, daß das Material einen zufälligen Zuschauer genauso beeindruckt wie euch, funktioniert nicht! Entweder ihr habt einen Plan für einen Dokumentarfilm, dann macht auch einen. Oder ihr versucht es mit den künstlerischen Techniken der Verkürzung und Abstraktion. So etwas Unausgegorenes wie das hier kriegt ihr nur ausgestellt, wenn die Kuratoren ihrerseits ein politisches Stähtment abgeben wollen.

B2) Die Wände eines kurzen fensterlosen Gangs wurden mit jeweils einem großformatigen Fotos der israelischen Grenzmauer beklebt. Diese Bildtapete hätte ich auch unter der Rubrik A)Raumausstattung/Inneneinrichtung einordnen können. Aber das Werk ist ein schönes Beispiel für Nichtkunst, welche nur durch seine Zuschreibung (hier propalästinensisch vs. „israelkritisch“) als Kunst funktioniert.
Da ich allerdings zu jenen gehöre, die weder „Spiegel“ noch „Freitag“ lesen, blieb bei mir der Grusel während des Durchschreitens des Ganges aus. Mal abwarten, ob solche Bilder von der nordkoreanischen Südgrenze auch ausgestellt werden.
Ratschlag: Wollt ihr eine politische Aussage machen, dann verlasst euch nicht darauf, daß die Leute schon wissen, was gemeint ist. Gerade bei politischen Kunstwerken kann das nach hinten losgehen. Mehrdeutigkeiten innerhalb eines engen Korsetts sind OK. Aber Uneindeutigkeit kann euch die Reputation kosten.
Übrigens hat der Künstler hat am letzten Ausstellungstag höchstpersönlich sein Werk decollagiert. Sprich, er hat es selbst wieder von der Wand gekratzt und das als eine Kunstaktion dargestellt. Das ist eine richtig gute Idee!

B3) Es gibt ein Geschicklichkeitsspiel, welches unter dem Namen „Jenga“ bekannt ist. Wenn zwei dieser Jenga-Türme nebeneinander gespielt werden und wenn dabei jeder Spielzug fotografiert wird bis hin zum Zusammenbruch der Türme und wenn dann aus den Fotos ein Stop-Motion-Video gemacht wird und wenn dann dieses Video ausgestellt wird, so daß wir es sehen können, dann sehen wir ein schönes Stück 9/11–Truther–Kunst. Da brauchte es gar nicht mehr die Eindeutigkeiten im Titel und im Kunsterklärzettel, um zu erkennen, worum es geht.
Ratschlag: Eine gute Idee muss, wie hier, gut umgesetzt werden. Gerade in den Bereichen Verschwörungstheorien, Esoterik und Gender wimmelt es von Ideen, derer sich Künstler_Innen annehmen können.

Politische Kunst ist wichtig. Ihr müsst euch, wenn ihr ausgestellt werden wollt, an der politisch korrekten Hauptkonsensmeinung der Ausstellungsmacher ausrichten. Denkt immer daran: Kein Kurator/Galerist wird seine Karriere für politisch falsche Kunst eines Neulings opfern.
Es liegt jetzt der Gedanke nahe, daß ihr euch von der Staatskunst der sozialistischen Bruderländer der DDR inspirieren lasst.

Praxisbeispiele Ostrale A) Raumausstattung/Inneneinrichtung

2 Kommentare

ostraleerprobt2

Ein Wort zum Katalog der Ostrale ˙O13.
Denkt nicht, daß ihr in diesem Katalog eine Dokumentation der vorgefundenen Ausstellung findet.
Es ein tolles Buch voller Kunsterklärzettel und schicker Fotos. Die Fotos wurden nicht der Ausstellung gemacht. Sie lassen meist nicht erkennen, wie das jeweilige Kunstwerk in seiner Gesamtheit aussieht oder wie es hier dargeboten wurde.
Die Texte solltet ihr euch aufmerksam durchlesen. Sie stammen nicht von der verantwortlichen Werbeagentur, sondern von den Kuratoren. Das heißt, daß das die Sprache ist, die die Leute sprechen, die über eure Karriere mitentscheiden. Außerdem ist auch gleich alles in International Art English (IAE) übersetzt.
„Ein särr lährreiches Buch!“ wie der jüngst dahingeschiedene Literaturpapst sagen würde.

Aber jetzt zu den Praxisbeispielen. Ich habe mir eine Einteilung einfallen lassen, die sich nicht nach dem Medium richtet. Das soll euch etwas die Einordnung erleichtern.

A) Raumausstattung/Inneneinrichtung

A1)Ein Leuchtkasten von ca. 1 x 0,8 m, wobei die Abmessungen nicht wichtig sind, bekommt seine Leuchtfläche mit großen Glasmurmeln ausgefüllt. Es sind überwiegend klare Murmeln. Für Akzente sorgen wenige farbige Murmeln. Über diese Schicht aus Murmeln kommt zur Fixierung eine Glasplatte, gehalten von einem, den gesamten Leuchtkasten umfassenden schwarzen Rahmen.
Mehrere dieser Leuchtkästen geben ein schönes indirektes Licht. Deshalb hat die Künstlerin auch viele gemacht und ausgestellt.
Als Fernsehleuchten machen sich solche Lampen sehr gut. Und wenn man dann noch die Definition im Kunsterklärzettel von Kindheit usw. liest, hat man immer eine Entschuldigung, bis in die Puppen vor der Glotze zu hängen.
Ratschlag: Immer ein paar dieser Diffusorlampen bereithalten, um flexibel auch auf die dunkelsten Stunden einer Galerie reagieren zu können.

A2)Um eine Tür sind auf beiden Seiten der Mauer verschiedenfarbige, 2cm breite Klebebänder aus dem Bastelladen in spannungsreichem Mit– und Gegeneinander an die Wand geklebt. Ohne diese Raumintervention hätte ich womöglich den Durchgang in den nächsten Raum nicht gefunden.
Ratschlag: Ein Satz dieser Dekoklebrollen immer im Werkzeugkasten bereithalten. Wenn es keine Türumrahmung zum Umkleben gibt, kann man auch andere Freiflächen mit Linien dekorieren, ohne in Gefahr zu geraten, den Fußbodenbelag mit Farbe zu verklecksen.

A3)Niedervoltlampen als Seilsystem mit blauen kleinen Leuchten. Die Stränge sind in Wadenhöhe über die gesamte Raumbreite von 10×12 Metern gespannt. Ein schönes mildes blaues Licht fällt auf den Fußboden und manchmal gehen die Leuchten an und aus, wie wir es von einer „funkelnden“ Weihnachtsdekoration kennen.
In Wadenhöhe nicht zur Installation empfohlen, wenn man die Wohnung noch normal nutzen möchte, aber unter der Schlafzimmerdecke oder im Bad wäre das eine romantische Ergänzung.
Ratschlag: Nicht wirklich etwas für Einsteiger. Außerdem muss es passen.