Intermezzo

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Liebe Ratsuchende,

Heute gibt es grippebedingt keinen Ratschlag. Als Intermezzo verlinke ich eine Kasperei von Olaf Schubert, in der er sich in der Galerie Gebr. Lehmann als Kunstkritiker geriert.  Auch mit so etwas müsst ihr fertig werden können.

Praxisbeispiele Ostrale 2014 C) reine Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

Der dritte und letzte Teil der Praxistipps der vorjährigen Ostrale. Ich bin schon gespannt, welche Tipps bei der diesjährigen herausspringen.

C7) Eine rote, wandgroße Fläche ähnlich wie in A4 beschrieben. Darauf sind in Reih und Glied weiße Gipsteile angeordnet. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die ausgegossenen Verpackungen von geschnitten Käse und Wurst. Ja, genau diese Schalen, die ihr in eurem Kühlschrank habt. Diese gipsernen Verpackungsinnenvolumen wurden nun angeordnet, ohne das eine innere Ordnung erkennbar gewesen wäre. Nicht mal bei Leuten, die ihre Kühlschranktür mit Bananenstickern vollkleben, dürfte diese Art Küchendekoration auf Gegenliebe stoßen. Und als Kunstwerk ist es selbst für Ostraleverhältnisse ein künstlerischer Tiefpunkt, auch wenn es ironisch gemeint gewesen wäre.

Ratschlag: Finger weg ohne stringente Grundidee! Mit Idee gehen auch ausgegossene Jogurt-Becher oder Kaffekapseln.

 

C8) »Ich habe hier irgendwoher 30 messingne Vorhängeschlösser. Könnte man da etwas draus machen? Mal sehen! Vielleicht einen Kreis? Hmm. Da lass ich am besten den Bügel des ersten Schlosses im Loch des zweiten Schloss einrasten. Das könnte klappen. Nun weiter, bis der Bügel des letzten Schlosses im ersten Schloss einrastet und der Kreis geschlossen ist. Geschafft! Wie nenne ich das am besten? Grübel,grübel! Ja, ich nenne es „Geschlossene Gesellschaft“! Das war doch einfach oder? Aber irgendwie sind die Schlösser zu klein. Da wird meine genialische Idee viel zu leicht übersehen. Ich hab’s! Ich bau die Schlösser nach. Richtig groß und unübersehbar.«

Ratschlag: Heutzutage, wo auch zum Kreis zusammengeschlossene Einkaufswagen als Kunst durchgehen, kann man solche Albernheiten offensichtlich gut bei Kuratoren unterbringen. Bevorratet euch mit solchen Werken wie Löffelstielfächer, LAN-Kabel-Netz, Fahrradschlosskette, Schuhkreis u.ä.

 

C9) Die vier Jahreszeiten waren und sind ein beliebtes Thema unter Künstlern. Bastel dir vier Videos aus Einzelbildern zusammen. Dazu nimmst du einen Selfistick. Halte ihn, natürlich mit Kamera, in Hüfthöhe und mach eine Fotoserie von dir, während du dich einmal um die eigene Achse drehst. Das sieht dann ungefähr wie ein Vine-Video aus, nur länger. Jetzt machst du das einmal im Sommer am Strand, im Herbst im Wald, im Frühjahr auf einer Wiese und im Winter im Schnee. Dann fehlen nur noch vier Monitore, die die vier Videosequenzen gleichzeitig abspielen und Kuratoren, die dir das abnehmen.

Ratschlag: Nach wie vor gilt, Videos unter 3 min gehen immer

 

C10) Ein Dreiminutenvideo namens „Bestätigung“. Der Titel ist in IAE übersetzt. Ein Mann im Anzug bekommt von Leuten außerhalb des Bildes auf die Schulter geklopft und den Kopf getätschelt. Man sieht also nur die Arme und Hände. Der Clou an der Sache ist, daß dieses Video so nicht existiert, sondern nur drei Fotos.

Ratschlag: Drei-Minuten-Videos gehen immer. Wenn ihr irgendwelche Probleme mit dem Video habt, extrahiert einfach einige Videostills der Schlüsselszenen.

 

 

 

kannweg

Treten Sie näher, meine Damen und Herren! Zehn Schuß – 5 Euro! Für acht abgeschossene Ziele gibt es den großen Altweltaffen in Plüsch als Preis!

Praxisbeispiele C1 – C6 hier

voll total süße Kunstausstellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 81

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.  Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.

2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.

3.Schritt: Pack einen Flachbildfernseher mehrlagig in durchsichtige Geschenkfolie inklusive einer dieser aufklebbaren, stark farbigen Schmuckschleifen. Brandschutz beachten! Es soll einer dieser modernen Fernseher sein, die auch Videodateien von USB-Sticks abspielen können. Der USB erspart dir Kabelsalat. Lass Katzenvideos von 3 Minuten Länge als Schleife abspielen. Dazu kannst du dann das richtige im Kunsterklärzettel schreiben oder auch nicht.

4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk ansich hinausweisend.

5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Geschäftsidee aus Übersee!

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Schokking Art Sappleis ist ein großartiger Laden. Sehr schön sind „priesmäschd TiVis“. Aber seht selbst:

multimediale Kunstausstellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 71

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Schritt: Nimm eine alte Bude.
2. Schritt: Mach sie zum Ausstellungsraum.
3.Schritt: Nimm ein Goldfischglas(rund) oder ein Aquarium(eckig) ohne Sand, aber mit Wasser und Fischen. Unter dieses Behältnis postierst du die Kamera. Du filmst durch den Boden stundenlang nach oben. Aller zwei Stunden Filmaufnahme kannst du mit einem sehr langen Löffel Fischfutter einrieseln lassen. Projizier dieses Video an die Decke des Ausstellungsraumes.
Nur auf besondere Nachfrage des Kurators kannst du das Fischglas im Nachbarraum ausstellen (Tierschutz beachten!).
4. Schritt: Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über das Werk an Sich hinausweisend oder „deus ex aqua“.
5. Schritt: Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Sommergeplauder: Das Kunsthaus Dresden

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Gestern macht ich es mir auf der Kautsch gemütlich und genoss eine eiskalte Fruchtlimonade. Währenddessen schaute ich die abendlichen Lokalnachrichten des MDR. Und was soll ich sagen, es lief ein Beitrag über die Ostrale 14. Mit guten Ratschlägen und Kritik dabei – Frau Elly Brose-Eiermann. Ja, die heißt wirklich so, wie in einem Bibi-Blocksberg-Heft die Honoratiorinnen heißen. Frau B-E betrieb in der Stadt mal eine Galerie, die sie jedoch auf Eis gelegt hat. Sie macht aber immer noch „was mit Kultur und Kunst“. Unter anderem ist sie im Freundeskreis des Kunsthauses Dresden und kuratiert dort gelegentlich einen Raum mit Kunstwerken der Sammler des Freundeskreises, passend zur jeweiligen Ausstellung .
Was Zeitgenössisches betrifft, macht die Ostrale dem Kunsthaus ernstlich Konkurrenz, überlegte ich mir gestern auf dem Sofa. Und dann fiel mir ein, daß ich ja mal meine bisherige Feldforschung zum Kunsthaus hier zum Besten geben kann. Ich hatte es ja oft genug angekündigt.

Das »An-Institut für Ausstellungstheorie und –praxis«, auch »Kunsthaus Dresden« genannt arbeitet seit September 2013 wieder.
Die erste Ausstellung hieß „Lines/Linien“. Nachdem sich vor der einjährigen renovierungsbedingten Schließzeit zuletzt die Nachwuchskuratoren austoben konnten, galt diesmal: Hier kuratiert die Chef_In selbst. Allerdings lies sie sich beim Begleitprogramm von einer jungen Kuratorenhoffnung helfen. Ganz wie es dem Geist des An–Instituts entspricht. Die Chefin heißt nicht Brose-Eiermann, sondern Menicke-Schwarz, Christiane
Offizieller Leitspruch war. „Lines/Linien:widmet diese Ausstellung der aktuellen Wirkungsmacht des Mediums Zeichnung und den Übergangszonen zwischen gezeichneter Linie und realer räumlicher Umgebung, künstlerischer Geste und sozialem Handlungsraum“
Ja, einige klassische Zeichnungen waren auch zu sehen. Ansonsten gab es neben Fotos und Bildergeschichten noch Videos, Performänzes und Videos von Performänzesen, die sich irgendwie mit Linien beschäftigten.
Ganz witzig war Irene Pätzungs Maschine zur Verfertigung von Apparatezeichnungen. Auch wenn diese von vornherein keine einzige Linie erzeugt hat, da sie mit einer Strichstärke von 15 Zentimetern und kreisförmigen Bewegungen in kleinstem Radius arbeitete. Egal. Das hat die Künstlerin mit ihrer Performänz am Elbufer wieder wettgemacht, als sie eine Linie durch die Landschaft zog. Die Linie war unsichtbar und das „Zeichengerät“ war eine große rote Kugel. (siehe Foto von der Eröffnung)
khdd lines 2013
Auf diesem Niveau war die gesamte Ausstellung. Es gab Line-Dance zum Mitmachen. Es gibt bis heute ein SOS, im Morse-Alfabet dargestellt, als drei Zeilen Jeff-Koons-artiger Metallbeulen an der Außenwand des Kunsthauses zu bewundern. Es gab eine Fußbodenausgestaltung, die einen glauben machen sollte, man befände sich auf einem Amerikähn-Fuhtboll-Feld. Diese Yard-Linien – ihr wisst schon.
Es gab ein großformatiges Foto eines Afrikaners mit seinem Fahrrad. Das hing deshalb da, weil der Fotograf des Bildes in einem Atlas mit einem Lineal eine Linie durch Afrika gezogen hatte und dann diese Linie im echten Afrika abgeradelt ist. Das weiß ich aber nur, weil die Serie, zu der dies Foto gehörte, schon auf der Ostrale 13 zu betrachten war und dort erklärt wurde. Der Ostrale–Star Jakob Flohe war übrigens auch wieder mit von der Partie.
Es gab eine Landkarte, in die als Linie der Stadtrundgang des Künstlers eingezeichnet war. Die Ursprungsintention war zwar eine ganz andere, aber egal. Linie ist Linie und Lain ist Lain. Oder ist Lein Lein? Ich glaube, irgendwas mit Wäscheleine war auch zu sehen.
In einem Satz: Es war schrecklich.
Aber zum Glück wissen wir ja, daß das Kunsthaus Dresden eigentlich das »Aninstitut für Ausstellungstheorie und –praxis an der HfBK Dresden« ist. Deshalb war das auch keine Ausstellung im üblichen Sinne, sondern eine Versuchsanordnung. So müssen wir uns nicht grämen, wenn der formulierte Anspruch nicht eingehalten wurde. Wenn die gezeigten Werke meilenweit vom Ausstellungsthema entfernt waren und nur dank Querdenken um drei Ecken in den Kontext passten. Wenn gefilmte Witze aufgeplustert wurden, bis sie wie richtige Kunst aussahen und wenn Kunst über das Anekdotische nicht hinauskam. Das diente alles der Wissenschaft!

Am 2.12.13 ging die nächste Versuchsanordnung in Betrieb. Mithilfe dieser wurden dann unglaubliche 5 Monate lang Daten gesammelt. Bis zum 5. Mai 2014 gab es „Vot ken you mach ?“ Kunst, Filme, Konzerte, Lesungen, Gespräche, Comics zu jüdischen Identitäten in Europa heute
Identität als Thema ist für mich interessant. Deshalb war ich gespannt auf die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Das Kunsthaus Dreden spielte aber von vornherein auf Sicher und wählte als Thema »jüdische Identität + Europa + heute«
Erst war ich skeptisch. Aber was soll ich sagen? Es war eine hervorragende Ausstellung. Ich war mehrmals da, um die ganzen Videoarbeiten ausgiebig anzuschauen. Ob die Qualität an der Zusammenarbeit mit ausländischen Kuratoren lag oder daran, daß diese Austellung noch durch Europa wandert, wer weiß? Ich hoffe, daß es kein statistischer Ausreißer war.

Die dritte Versuchsanordnung des „An-Institut für Ausstellungstheorie und –praxis“ ist noch bis diesen Sonntag ein reines Schülerprojekt. So ist das, wenn man keine Ausstellungen macht, sondern Versuchanordnungen.

Das Forschungs-Programm bis weit ins nächste Jahr ist veröffentlicht. Ein paar auf den ersten Blick abseitige Themen stehen an. Warten wir es ab. Ich bleibe drann.

Klick hier für den Webauftritt des «An-Instituts für Austellungstheorie und -praxis»

Schönen August noch!

Wie das Leben so spielt…

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Gestern war hier, in dieser unserer Stadt, der in mindestens drei Stadtvierteln weltberühmte Galerierundgang. Ich hab leider keine Karte mehr bekommen. Nicht mal meine Freunde von der Galerie Schürhaken konnten mir helfen. Deshalb kann ich nichts drüber schreiben.

Zum Ausgleich gibt es ein Video über eine tolle Geschäftsidee aus Übersee:

Praxisbeispiele Ostrale C) reine Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

C1) Ein Stop-Motion-Video heißt „Achillesferse“. Eine nackte Frau beklebt sich auf der Schauseite ihres Körpers nach und nach von unten bis oben mit Pflaster. Am Ende, wenn es kein Stück blanke Haut mehr zu sehen gibt, knickt sie im Knöchel ein und fällt zu Boden.
Ratschlag: Dieses Video fällt in dieselbe Rubrik wie die Videos „Worthalten“ (eine Nackte hält die Holzbuchstaben W, O, R und T mit ausgestrecktem Armen solange bis die Muskeln versagen) und „Wunder Punkt“ (ein Nackter drückt sich eine brennende Zigarette auf der Haut aus und zeigt danach die Stelle in die Kamera, während er mit dem Finger drauf drückt). Verfilmte Sprichwörter unter 3 Minuten Laufzeit gehen immer.

C2) Ein Video zeigt abwechselnd eine Frau und einen Mann, die davon reden, wie sie von ihren jeweiligen Partnern verlassen wurden. Handwerklich gut gemacht, blieb mir dennoch unklar, was es in der Ausstellung zu suchen hatte. Vielleicht aus Gendergründen? Oder wegen der daneben stehenden, begehbaren, mit beweglichen Labyrinthwänden ausgestatteten Box namens „Beziehungskiste“? Sei´s drum. Ihr könnt das auch!
Ratschlag: Filmt eine Frau, die davon redet, wie sie ihrem Hund verließ und einen Mann, der davon redet, wie er von seiner Katze verlassen wurde. Es kommt dann auf den Kunsterklärzettel an, wie ihr das verkaufst.

C3) Eine ganze Wand ist mit Bildern von Händen dekoriert. Überwiegend Fotos und überwiegend Computerausdrucke. Alles in verschiedensten Formaten und bunt zusammengewürfelt. Ein Zusammenhang wird durch verschiedene schwarze Zwirnsfäden behauptet, die zwischen den Nägeln, die die Ausdrucke an der Wand halten, gespannt wurden.
Ratschlag: Eine Paraphrase zu Gerhardt Richters „Atlas“ zeugt von Mut. Als Kunstwerk solltet ihr so eine Materialsammlung den Kuratoren nur unterjubeln, wenn diese unbedingt noch eine leere Wand füllen müssen.

C4) Sieben durchsichtige, quadratische Tupperdosen hängen in einer Reihe an der Wand. Jede Dose hängt vor einem anders pastellfarbenen Hintergrund. Jede Dose ist identisch gefüllt. Zwischen farbloser Klarsichtfolie befindet sich ein Arm und ein Bein einer Babypuppe als wären sie in Aspik eingelegt. Auf den Titel des Werkes kann die Künstlerin zu Recht stolz sein: „baby food“! Als ich dann noch im Kunsterklärzettel von Nahrungsmittelknappheit und Menschen als Ressource las, da wusste ich, daß hier jemand ist, der den Film „Soylent Green“ gründlich gesehen hat.
Ratschlag: Nehmt alte bekannte Filme und setzt die Hauptidee auf eure eigene Art um. Wie man sieht, klappt es dann mit der austellung .

C5) Eine wahre Fleißarbeit ist die einen Meter hohe Hochhaussiedlung ong miniatür. Die Häuser haben alle transparente Außenwände aus Crackerschalen. Alle Zimmer sind verschieden eingerichtet und aus Wellpappe gemacht. Personen waren keine zu sehen.
Art Brut heißt immer dann Autsaider Art, wenn der Künstler noch nie in der Klinik gesessen hat. Diese lässt grüßen bei dieser manisch-depressiv wirkenden Bastelarbeit aus Umverpackungen. In den 80er Jahren hätte sie unter dem Titel ›Nach der Neutronenbombe‹ bestimmt einen Friedenspreis auf der „Messe der Meister von Morgen“ erhalten.
Ratschlag: Solch eine Arbeit solltet ihr nur in Angriff nehmen, wenn ihr hauptsächlich in Ruhe rumbosseln wollt. Es muss unbedingt von vornherein die Transportfähigkeit beachtet werden. Eurer Künstlerkarriere nutzt es wenig, wenn das Werk nicht mehr durch die Tür passt. Ansonsten seid ihr thematisch frei. Ob durchsichtige Kreuzfahrtschiffe aus Gefrierbeuteln und Flaschenböden oder Landschaftsdioramen berühmter Gemälde aus Haferkekskarton und Zwiebelnetzen. Alles geht.

C6) Ein dunkler Raum mit schwarzen Wänden dient als Aufführungsort einer Videoinstallation. Zwölf Videoprojektoren ringsum im Raum werfen in unterschiedlichen Zeitabständen abstrakte Farbmuster an die Wand. Außerhalb eines Kunstausstellungskontextes solltet ihr auf Konsumenten illegaler Betäubungsmittel hoffen. Leider fehlten diesmal die Liegen.
Ratschlag: Solch eine Diskodeko ist ideal, wenn ihr Beziehungen zur DJ-Szene habt. Da könnt ihr als VJ immer kostenlos mit rein.

Es gab noch mehr zu sehen, aber vieles erreichte nicht mal die Qualität der ebenfalls ausgestellten Vordiplominstallationen einer Klasse von Bühnen– und Kostümbildstudenten der HfBK Dresden. Und vieles war wie manches, was ich hier in diesem, unserem Ratgeberblog schon veröffentlichte.
Für weitere Eindrücke sucht im Internet bitte selbst nach Fotos, auch wenn die einst so beliebten Bilderstrecken in diesem Jahr rar geworden sind.

So, das war das.
Meine Reihe mit Praxisbeispielen wird fortgesetzt. Eine wichtige Ausstellungsörtlichkeit in Dresden hat nach einer Renovierung neu eröffnet. Es handelt sich um das »An-Institut zur Erforschung von Ausstellungstheorie und –praxis an der HfBK Dresden unter Assoziation aller Lehrstühle der TU Dresden, die das Wort „Kunst“ im Namen führen«, gemeinhin kurz »Kunsthaus Dresden« genannt. Es stellen dort im Augenblick auch „Ostrale-Stars“ aus. Aber davon später mehr.

Praxisbeispiele Ostrale B) politische Kunstausstellungskunst

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ostraleerprobt2

B1) Ein Video von 85 Minuten Länge wird gleichzeitig auf 5 Monitoren gezeigt. Und zwar kapitelweise zeitversetzt, so daß man theoretisch nach 20 Minuten das ganze Video gesehen hat. Das Video zeigt die Schönheit des Männerbündischen und des Kampfes im Leben zweier strenggläubiger Religioten im Nahen Osten.
Ratschlag: Gut ist die Präsentation dieses langen Videos gelungen. A b e r: Nur die Kamera draufhalten, hinterher was zusammenfrickeln und hoffen, daß das Material einen zufälligen Zuschauer genauso beeindruckt wie euch, funktioniert nicht! Entweder ihr habt einen Plan für einen Dokumentarfilm, dann macht auch einen. Oder ihr versucht es mit den künstlerischen Techniken der Verkürzung und Abstraktion. So etwas Unausgegorenes wie das hier kriegt ihr nur ausgestellt, wenn die Kuratoren ihrerseits ein politisches Stähtment abgeben wollen.

B2) Die Wände eines kurzen fensterlosen Gangs wurden mit jeweils einem großformatigen Fotos der israelischen Grenzmauer beklebt. Diese Bildtapete hätte ich auch unter der Rubrik A)Raumausstattung/Inneneinrichtung einordnen können. Aber das Werk ist ein schönes Beispiel für Nichtkunst, welche nur durch seine Zuschreibung (hier propalästinensisch vs. „israelkritisch“) als Kunst funktioniert.
Da ich allerdings zu jenen gehöre, die weder „Spiegel“ noch „Freitag“ lesen, blieb bei mir der Grusel während des Durchschreitens des Ganges aus. Mal abwarten, ob solche Bilder von der nordkoreanischen Südgrenze auch ausgestellt werden.
Ratschlag: Wollt ihr eine politische Aussage machen, dann verlasst euch nicht darauf, daß die Leute schon wissen, was gemeint ist. Gerade bei politischen Kunstwerken kann das nach hinten losgehen. Mehrdeutigkeiten innerhalb eines engen Korsetts sind OK. Aber Uneindeutigkeit kann euch die Reputation kosten.
Übrigens hat der Künstler hat am letzten Ausstellungstag höchstpersönlich sein Werk decollagiert. Sprich, er hat es selbst wieder von der Wand gekratzt und das als eine Kunstaktion dargestellt. Das ist eine richtig gute Idee!

B3) Es gibt ein Geschicklichkeitsspiel, welches unter dem Namen „Jenga“ bekannt ist. Wenn zwei dieser Jenga-Türme nebeneinander gespielt werden und wenn dabei jeder Spielzug fotografiert wird bis hin zum Zusammenbruch der Türme und wenn dann aus den Fotos ein Stop-Motion-Video gemacht wird und wenn dann dieses Video ausgestellt wird, so daß wir es sehen können, dann sehen wir ein schönes Stück 9/11–Truther–Kunst. Da brauchte es gar nicht mehr die Eindeutigkeiten im Titel und im Kunsterklärzettel, um zu erkennen, worum es geht.
Ratschlag: Eine gute Idee muss, wie hier, gut umgesetzt werden. Gerade in den Bereichen Verschwörungstheorien, Esoterik und Gender wimmelt es von Ideen, derer sich Künstler_Innen annehmen können.

Politische Kunst ist wichtig. Ihr müsst euch, wenn ihr ausgestellt werden wollt, an der politisch korrekten Hauptkonsensmeinung der Ausstellungsmacher ausrichten. Denkt immer daran: Kein Kurator/Galerist wird seine Karriere für politisch falsche Kunst eines Neulings opfern.
Es liegt jetzt der Gedanke nahe, daß ihr euch von der Staatskunst der sozialistischen Bruderländer der DDR inspirieren lasst.

Kunstaustellungskunst selbstgemacht – Ratschlag 52

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine alte Bude.
2. Mach sie zum Ausstellungsraum.
3. Nimm irgendeinen alten Stummfilm und zeige ihn in Endlosschleife. Entweder du zeigst ihn auf einem alten Fernseher oder du projizierst ihn auf die Wand.
Die Darstellung des Röhrenfernsehers kannst du mit einem starken Magneten manipulieren. Auf der Wand kannst du Rahmen und Störlinien selbst anbringen.
Organisier dazu eine Raumintervention, indem du Szenen des Films auf dem Fußboden mit heutigem Spielzeug nachstellst. Wenn es dir sinnvoll erscheint, kannst du einen oder mehreren dieser Spielteppiche für Kinder verwenden.
4. Nenn es in Anlehnung an den Filmtitel irgendwie kryptisch und über „das Werk an sich“ hinausweisend.
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?

Zum Ausgleich mal ein Video

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Da wir nicht immer nur Produzent_innInen sein können, empfehle ich heute mal ein schönes, wenn auch kurzes, Stück Video auf Jutub. Mal so völlig Konsument_innIner sein hat ja auch was für sich.
In Portlandia scheint es sich gut leben zu lassen. Ich kannte diese Serie bisher nicht, aber ich habe mich scheckig gelacht und sofort in sie verliebt.

Gunschtausstellung selbstgemacht: Teil 38

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine schimmlige Bude
2. Mach sie zum Ausstellungsraum
3. Glotz vier Stunden lang ohne zu blinzeln in eine laufende Videokamera. Zeige den Film in Dauerschleife. Achtung! Der Hintergrund muß beachtet werden. Entweder neutral und unbewegt oder mit einem Geschehen. Je nachdem, ob du die Aufmerksamkeit mehr auf deinem Gesicht haben willst oder auf einer Geschichte, die du im Hintergrund erzählst. (Das muß im Kunsterklärzettel dann nochmal breitgetreten werden.)
4. Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über „das Werk an sich“ hinausweisend.
5. Mach eine Eröffnungsparty und lad mich dazu ein!

Das war doch einfach, oder?

Kunstausstellung selbstgemacht 37

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine schimmlige Bude
2. Mach sie zum Ausstellungsraum
3. Film dich selbst mit deiner Webcam, wie du selbstgeschriebene Texte ins Mikrofon sprichst. Diese Texte müssen keinen Sinn ergeben. Wichtig ist hier die Aktion ohne Interaktion usw. usf. (Zum Thema „Kunsterklärzettel“ kommen wir später.) Projizier das Video an die Wand.
4. Nenn das ganze irgendwie kryptisch und über „das Werk an sich“ hinausweisend.
5. Mach eine Eröffnungsparty!

Das war doch einfach, oder?

Kunstausstellung selbermachen und auch mal lachen – Teil 23

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine schimmlige Bude
2. Mach sie zum Ausstellungsraum
3. Setz dich hin und häkel einen Topflappen. Ist er fertig, drösel ihn auf und beginne wieder von vorn mit dem Häkeln.
4. Das kann auch auf Video aufgenommen werden und in Endlosschleife gezeigt werden. Nenne das Ganze «KON/DEstruct».
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?

Kunstausstellung selbstgemacht: Teil 17

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine schimmlige Bude
2. Mach sie zum Ausstellungsraum
3. Fahr mit Freunden in einem PKW nach Rostock. Während der Fahrt filmst du vom Beifahrersitz deine Unterhaltung mit dem Fahrer über philosophische Themen. Dabei darf man nur den Fahrer hinter dem Lenkrad sehen.
4. Projizier den Film (WICHTIG: Mindestlaufzeit 4 Stunden) an eine Wand. Nenne das ganze «Ei – Platon»
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?

Kunstausstellung selbstgemacht: Teil 13

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Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine schimmlige Bude
2. Mach sie zum Ausstellungsraum
3. Filme acht Stunden lang Ameisen. Leg dazu einfach ein Stück Zucker auf eine Ameisenstraße.
4. Projizier diesen Film als Endlosschleife. Nenn das ganze «work-life-balance»
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?
Und völlig lizenzfrei, wenn du das ganze anders nennst!

Kunstaustellung selbstgemacht: Teil 5

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In 64 Tagen ist Finissage der Ostrale
Du kannst deine eigene Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben.
Hier eine weitere Anleitung:

1. Nimm eine schimmlige Bude
2. Mach sie zum Ausstellungsraum
3. Überred deine Freundin, sich vor deiner Handykamera zu räkeln. (gern nackt wegen der Authentizität und wegen dem Unbehaustsein im Hier und Jetzt und so). Mach einen Zeitlupenfilm mit Farb- und Scheinwerfereffekten aus dem Material. Die Effekte findest du alle fertig im Filmbearbeitungsprogramm auf deinem Rechner. Vergiss nicht, seltsame Klangeffekte in voller Lautstärke einzubauen!
4. Projizier diesen Film als Endlosschleife auf die schimmligste Wand im Raum.
5. Mach eine Eröffnungsparty

Das war doch einfach, oder?
Und völlig lizenzfrei, wenn du das ganze anders nennst!